Eine Sommernacht von David Greig und Gordon Mcintyre inszeniert von Patricia Benecke, gesehen am 17.11 in der Vidmar 2, Konzert Theater Bern.
Ein überzeugender Schauspieler und eine überzeugende Schauspielerin verkörpern die beiden Hauptfiguren, die 30 Jahre alt sind und durch das Leben stolpern. Sie berichten über ihr erstes Treffen, den One Night Stand, der keiner bleibt, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und die gemeinsame Zukunft, vielleicht. Als Zuschauer hat man Empathie für die Geschichten der beiden. Etwas Furcht vor den Dreissigern kam in mir aber doch auf. Was wird noch kommen? War es das schon? Kinder, Ehe, Job? Geht Party noch etc.? Fragen, die sich die zwei Protagonisten auch stellen, während sie torkelnd in die im Bühnenbild integrierten Wasserpfützen treten und fallen.
Langenthal – Das Theater Überland zeigte im Stadttheater Langenthal unter der Regie von Reto Lang die Uraufführung der Satire «Lööli-Show». Die Aufführung war ein Erfolg: Das Publikum liess sich von Anfang bis Ende davon mitreissen.
Der Dummkopf in der «Lööli-Show»: Der Komiker Freddy Müller, gespielt von Frank Demenga, erhält die Chance, in einer Hochglanz-TV-Show mitzuspielen. Hier im Gespräch mit Karin Wirthner, die seine Agentin spielt. Bild: Daniel Fuchs
Der Komiker Freddy Müller hat mit seinen Auftritten keinen Erfolg mehr, da niemand seinen skurrilen Humor versteht. Da erhält er die Gelegenheit, als «Lööli», sprich Dummkopf, in einer Hochglanz-TV-Show mitzuwirken. Er soll einen Vorgestrigen mimen, der keine Ahnung von moderner Technik, sprich Fernseher und PC, hat. Doch niemand hat mit seiner anarchistischen Ader gerechnet.
Echte Fernsehshow
Frank Demenga, Autor des Stücks und Darsteller des Freddy, zeigt im ersten Teil der Satire «Lööli-Show», die im Stadttheater uraufgeführt wird, wie Freddy zu seinem Engagement kommt. Für die Produzenten der TV-Show, die er mit seinen komischen Einlagen auflockern soll, ist er ein Hampelmann. Niemand nimmt ihn ernst.
Im zweiten Teil nimmt das Stück Fahrt auf. Es zeigt eine echte TV-Show rund um das Thema «Verrückte Welt der Vernetzung». Skurrile Wissenschaftler kreuzen die Klingen. Selbst Christoph Blocher tritt als martialische Frauenperson auf.
Zwischen den Diskussionen gibt es Lichtshows, Liveacts mit einer Sängerin, einer Geigerin, einem singenden Moderator und Tänzerinnen. Und eben Freddys komische Einlagen.
Marionetten der Technik
Regisseur Reto Lang gelingt eine fulminante Show, in der in schneller Abfolge ein Act in den anderen übergeht. Bald vergisst man, dass man im Theater und nicht vor dem Fernseher sitzt. Für die Liveauftritte hat Lang die Sängerin Yvonne Baumer gewonnen, die mit ihrer Stimme die Herzen berührt.
Die junge Rumänin Julia Andreea Smeu ist eine wahre Teufelsgeigerin und fasziniert nicht nur mit ihrem Spiel, sondern auch mit ihrer Schönheit das Publikum. Vier junge Tänzerinnen runden die Showeinlagen ab.
Wer aber nun glaubt, es ginge in dem Theaterstück nur um eine oberflächliche TV-Show, täuscht sich gewaltig. Frank Demenga zeigt uns in Überspitzung den Wandel unserer Gesellschaft in ein digitales Zeitalter, in dem wir nur noch Marionetten der Technik sind. Entsprechend unsympathisch kommen die Befürworter der total vernetzten Welt daher, umso liebenswerter dafür wirkt der angeblich dumme Freddy.
Tosender Applaus
Was die drei Schauspieler und die zwei Schauspielerinnen in verschiedenen Rollen zeigen, ist umwerfend. Da ist Frank Demenga als Freddy, der in der Show zum Advocatus Diaboli mutiert. Allein schon die Facetten seiner Mimik, aber auch seine Sprachgewandtheit faszinieren.
Als seine «Beschützerin» zeigt Karin Wirthner die eiskalte Managerin, aber auch die verletzliche, im Grunde in Freddy Verliebte. In pinkfarbenem Lackkleid und mit blonder Perücke persifliert sie die Rolle der Assistentin des Moderators mit einem permanent zuckersüssen Lächeln.
Die Wandlungsfähigkeit von Marlise Fischer ist frappant. Bei jedem Auftritt ist sie eine andere Persönlichkeit, ob forsche Wissenschaftlerin oder demente Frau. Christian Intorp gibt den Moderator aalglatt und arrogant, ein wahrer Kotzbrocken, und überzeugt auch als Sänger. Kaspar Weiss schlüpft ebenfalls in verschiedene Rollen.
Bald spielt er überzeugend den unterwürfigen Assistenten der Produzentin, dann wieder einen verschrobenen Wissenschaftler.
Brigitte Wolf kleidet die Showcrew in Lack und betont damit das Künstliche dieser Welt. Die vielen Rollenwechsel unterstreicht sie mit einem entsprechenden Kostüm. Am Ende der «Lööli-Show» erntet das Ensemble tosenden Applaus. Wer die Premiere verpasst hat, kann das Stück am 18.Februar sehen, wenn es nochmals gegeben wird.
Für eine Theaterwissenschaftsstudentin ist es ein Muss mindestens eine Hamletinszenierung gesehen zu haben. Meine Erste sah ich am 30.10 im Stadttheater Langenthal. Die Truppe Neues Globe Theateraus Potsdam zeigte ihre Interpretation des Hamletstoffs von Shakespeare.
Bemerkenswert ist, dass in dieser Hamletinszenierung nur Männer spielen, das heisst Ophelia und die Königin werden von Männern dargestellt. Dies mag fürs Erste etwas verstören und lächerlich wirken, doch man gewöhnt sich schnell daran. Zudem überzeugen die Schauspieler sehr in den weiblichen Rollen. Eine weitere historische Umsetzung, welche die Aufführungssituation dem früheren Globe Theatre nahe bringen sollte, ist das Anlassen des Saallichts im Theater. Man kann jede Reaktion der Zuschauenden mitverfolgen und die Schauspieler haben eine ganz andere Präsenz, als wenn sie die Zuschauenden nicht sehen würden.
Hamlet wurde in dieser Inszenierung als frecher, etwas gruftihafter, kiffender Mann dargestellt. Auf der einen Seite anziehend und interessant und auf der anderen eher unsympathisch und kindlich. Diese Charaktermischung der Figur hatte ich nicht erwartet, doch sie passte gut in das Gesamtbild der restlichen Figuren. Übertriebene Spielweise und klassische Fechtszenen wechselten sich ab.
Absolut empfehlenswert für alle Shakespeare Fans und solche die es werden würden nach dem Besuch einer Aufführung der Neues Globe Theater Truppe.
Am 27.10 besuchte ich im Pfauen in Zürich Stephan Kimmings Inszenierung Die Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller. Die Inszenierung begann mit einer Videoaufnahme von Johanna, der Hauptfigur, welche auf weisse, runter hängende Stoffe projiziert wurde. Dann wurde Johanna live gefilmt, was auch wiederum auf die Stoffe projiziert wurde. Dieses Mittel erinnert stark an die Faust Inszenierung vergangener Saison am Konzert Theater Bern. Auch dort wurde live auf der Bühne direkt das Gesicht der Schauspieler und Schauspielerinnen gefilmt. So entstand eine leicht verschobene Parallelwelt zur Echtzeit des Geschehens. Dieses Mittel schien mir bei Die Jungfrau von Orleans nicht sehr geschickt gewählt, denn es wirkte wie ein rasch entschiedener Versuch in die sonst eher lahme Inszenierung Dynamik zu bringen. Die Videosequenzen stellten aber neben den szenischen Teilen, die ohne Kamera liefen, eine agil wirkende Kontinuität dar und wurden konsequent als Mittel bis zum Schluss eingesetzt, was wiederum für die Wahl des Filmens spricht. Gerade die Szenen, welche auf dem Schlachtfeld spielen, konnten durch verwackelte Videosequenzen gut dargestellt werden.
Starr, regungslos und unnahbar sind die Figuren, die ihren Text herunterleiern. Johanna überzeugte wenig. Sie wirkte mehr, wie ein armes, schmutziges Waisenkind, als wie eine Heldin. Wahrscheinlich leidet das Spiel am bedeutungsschwangeren Text, der mit einem aktuelle Themen aufgreifenden Text von Peter Stamm ergänzt wurde. Ein nicht zu schlecht gelungener Versuch das Zeitgeschehen in den Stoff um Jean D’Arc einzuweben.
Das Bühnenbild spiegelt mit seinen wallenden, weissen Stoffen, in verschiedene Linien gehängt, eine Parallelwelt wieder, welche bereits in den Filmsequenzen zu spüren sein könnte. Wo liegt diese Parallelwelt, was will sie dem Zuschauer zeigen? Die Antworten auf diese Fragen habe ich nicht. Ich verliess die Aufführung mit gemischten Gefühlen. Es bereitete mir Mühe der ruhigen Schauspielweise zuzusehen, ständig wartete ich auf einen Knall, auf etwas, was heraussticht, doch es kam nicht.
Roman Guntli zeigte am Wochenende vom 6. und 7. November seine Fotografien. Die Sujets findet er in seinem Freundeskreis, im Sport und auf Reisen. Ergänzt wurde die Ausstellung am Freitag durch Gitarre und Gesang von Matthias Lahoda und seinem Spielpartner. Ausstellung und Konzert fanden beim Publikum gleichermassen Gefallen und der Keller füllte sich rasch.
Wenn in Langenthal der Nebel zum Alltag wird und die Bäume kahl werden, neigen sich im Stadttheater die Proben zur Lööli-Show in ihrer heissesten Phase auch schon bald dem Ende zu. Das Ergebnis wird am 14. November um 20:00 zur Uraufführung gebracht.
Kommt und seht, was der Lööli mit seiner Gehilfin anstellt und was uns kluge Köpfe aus der Vernetzungswelt berichten.
Uraufführung: 14. November 2015 im Stadttheater Langenthal, Reservation: stadttheater@langenthal.ch
weitere Vorstellungen Saison 2015/16:
14. Januar 2016 im Theater am Käfigturm, Bern 15. Januar 2016 im Theater am Käfigturm, Bern 16. Januar 2016 im Theater am Käfigturm, Bern 18. Februar 2016 im Stadttheater, Langenthal 3. April 2016 im theater uri, Altdorf
Milchbüechlirächnig von Strohmann-Kauz
Regie: Günther Baldauf, Textmitarbeit: Rolf Strub
Gesehen: Premiere 23.10.2015, im Theaterstudio Olten
Das letzte Mal als ich in einer Theateraufführung derart lachen musste, war in Herbert Fritschs Die Physiker – unglaublich humorvoll, skurril und komisch. Die Aufführung von Strohmann-Kauz mit den beiden sympathischen Figuren Ruedi und Heinz konkurrenzieren Die Physiker in jener Hinsicht eindeutig. Ein Lachflash folgte dem anderen. Beinahe jeder Satz enthielt einen Witz, eine Zweideutigkeit oder einen Verweis auf Aktuelles.
Gerade mit der Sprache und dem Wort experimentieren die beiden Schauspieler Matthias Kunz und Rhaban Straumann locker und fantasievoll. Wörter werden absichtlich vertauscht und geben so Sätzen ganz andere Bedeutungen. Versprecher sind gezielt gesetzt. Die Sprache an sich kommt aus einer älteren Generation, „du himutrurige Galöri“, vermag aber auch junges Publikum mitzureissen.
Zum herausragenden Sprachgebrauch kommt eine Körperlichkeit hinzu, welche das hohe Alter der beiden Figuren verdeutlicht. Lange und ausgedehnt geht der Prozess des Ankleidens vor sich, wobei sich die beiden alten Männer gegenseitig helfen. Bei jedem Telefonklingeln versetzt es ihnen einen halben Herzinfarkt.
Sie besitzen nicht mehr viel. Ruedi geht auf Raubzüge im Altersheim und Heinz versteckt sein rotes Mäppchen mit wichtigem persönlichen Inhalt im Kühlschrank. Beide haben ihre Eigenarten und verschaukeln den anderen gerne, sind aber abhängig voneinander und möchten das Zusammenleben nicht missen. Das Ableben beider, Regelungen der Bestattung und die Gesundheits -sowie Sterbenskosten werden während der Aufführung verhandelt und angesprochen. Schliesslich, nachdem Heinz seine Bestattung regeln wollte, der Bestatter aber die beiden verwechselte und mit Reudi sprach, fassen die beiden einen Entschluss gemeinsam beerdigt zu werden. Doch bevor es so weit sein soll, verbringen sie einen aufregenden Tag mit Helikoptern, Mofas und Booten, pantomimisch und spielerisch überzeugend umgesetzt. Gemeinsam gehen sie zu Bett und blasen die Kerze aus.
Dem Publikum bleibt der Gedanke an die Anfangsworte der Aufführung: „Ah das si äuä die vodr Wartelischde!“
2,5 Wochen machte ich mit einer Freundin einen Roadtrip an der Westküste USAs. Von Santa Barbara fuhren wir mit unserem Mietwagen in Richtung Norden. Auf dem Weg nach San Francisco machten wir eine Zwischenübernachtung in Monterey und besuchten am nächste Tag noch auf dem Highway #1 den Big Sur.
In San Francisco blieben wir drei Nächte und feierten dort den Jahreswechsel 14/15. Man kann versuchen die Altersgrenze 21 zu umgehen. Ohne Schwierigkeiten erhielt meine Freundin Cocktails serviert, aber immer mit einer Spannung verbunden, welche uns manche lustige Momente bescherte. Ach und wer denkt, in Kalifornien sei es immer warm und sonnig, der liegt falsch. Besonders an der Küste weht meist ein eisiger Wind, der die Temperaturen schnell fallen lässt.
SF ist nicht billig und vieles ist auf Touristen ausgerichtet, wie beispielsweise der Pier 39, die Cable Cars (SF Trams) und die Crooked Road (angeblich steilste Strasse der Welt). Die Golden Gate Bridge hält allerdings, was versprochen wird: Imposant und kräftig steht sie da. Je nach Wetter und Luftverschmutzung ist sie kaum zu sehen, doch es lohnt sich, sich der Brücke mehrmals während des SF Aufenthalts von verschiedenen Seiten und zu verschiedenen Zeiten zu nähern.
Leider beherbergt SF sehr viele Obdachlose. Dies mag die Urlaubsstimmung etwas betrüben. Es sollte drin liegen, sich etwas Zeit zu nehmen und mit einem von ihnen ein spannendes Gespräch zu führen.
SF hat viele tolle Quartiere, Aussichtspunkte und gewundene, steile Strassen. Es ist zu Fuss machbar, doch will man auch entlegenere Orte besuchen, wie die Twin Peaks, sollte man auf das Auto zurückgreifen.
Die Amerikaner fahren übrigens sehr respektvoll und vorsichtig. Trotz sechsspuriger Autobahnen, achtet jeder auf jeden. Man wird beispielsweise reingelassen, wenn man in der falschen Spur steht. Auch das Benzin ist meist billiger als in Europa. Es empfiehlt sich allerdings, nicht in absoluter Nähe irgendwelcher Sehenswürdigkeiten zu tanken, denn dort sind die Preise meist doppelt so hoch als andernorts.
Nach SF fuhren wir weiter zum Yosemite Nationalpark. Für Schweizer mag dieser Park nicht so beeindruckend sein, denn Berge und spiegelnde Seen sind für uns Alltag, doch um eine Nachmittagswanderung zu unternehmen lohnt es sich allemal diesen Park zu besuchen.
Vom Yosemite NP fuhren wir in Richtung Death Valley. Bevor wir diesen NP erkundeten, machten wir eine Zwischenübernachtung. Zum Abendessen begaben wir uns ins Denny’s: ein klassisches, amerikanisches Diner, was jede USA Reisende mal besucht haben sollte.
Das Death Valley ist riesig, anders kann man es gar nicht umschreiben. Bevor man überhaupt zu einem Infogebäude oder ähnlichem gelangt, fährt man lange durch vertrocknete, sandige Landschaften. Selbst im Januar brennt die Sonne gnadenlos von oben herab. Es empfiehlt sich vor dem Park vollzutanken und genügend Getränke mit sich zu führen. Im DV gibt es etwa drei verschiedene landschaftliche Merkmale: Sanddünen, ausgetrocknete Salzseen und Sandsteinhügel. Alles scheint unendlich zu sein. Auch im DV lohnt es sich eine längere Wanderung durch die trockene Hügellandschaft zu machen, um das Tal abseits von der Strasse zu erfahren und zu sehen. Doch nach einem Tag hat man es gesehen, die Dürre, Stille, Hitze und Einsamkeit kann einem auf die Stimmung schlagen und man sehnt sich nach saftigem Grün, lauen Lüftchen und Lebendigem.
Was in Vegas geschieht, bleibt in Vegas und ja, es ist so, wie man es sich vorstellt – grelle Lichter, schrille Strassenkünstler, monumentale Architekturen und viele Leute. Drei Tage genügen, um am Las Vegas Strip in den Hotelkomplexen, Shoppingmalls und Casinos umher zu streunen. Auch hier gilt die Altersgrenze ab 21, um beispielsweise im Casino spielen zu können. Doch Geld verprasst man ohnehin schon genug. Um sich die Zeit zu vertreiben, wird geshoppt oder man besucht einige der abwechslungsreichen, aber teuren Attraktionen, wie das grösste Riesenrad der Welt, The Linq. In LV assen wir in der typischen Restaurantkette iHop zu Frühstück. Hier erhält man alles was der Magen begehrt und man muss von Glück reden, wenn man nicht anstehen muss, um einen Platz zu ergattern. LV ist wirklich eine Welt für sich, es werden immer wieder neue, absurde Hotelkomplexe und Sehenswürdigkeiten gebaut. Man sollte sich allerdings von der Farbigkeit, Helligkeit und Lebensfreude in dieser Stadt nicht verblenden lassen und sich stets dem enormen Strom und Wassergebrauch bewusst sein. LV steht in Mitten einer Wüste, rundherum ist nichts!
Daher verliess ich diesen Ort nicht allzu schweren Herzens und wir begaben uns zum nächsten Nationalpark: Valley of Fire. Ein kurzer Marsch zur berühmten Fire Wave gehörte auch bei uns dazu. Der Park ist geradezu leer im Vergleich zu LV. Pure, unberührte Natur findet sich hier.
Am selben Tag fuhren wir weiter in den Zion National Park. Es stellte sich heraus, dass dies mein Lieblingspark werden sollte. Wohin man blickt, erkennt man verschiedene Grün- und Blautöne. Besonders in der Abenddämmerung wirken die Farben ganz besonders märchenhaft und mystisch. Da, wie gerade erwähnt, bereits später Nachmittag war als wir im Zion ankamen, mussten wir uns mit der geplanten Wanderung etwas beeilen. Doch ein rasches Tempo eignet sich sowieso gut bei kühlen Temperaturen.
Am nächsten Tag stand der Bryce Canyon auf dem Programm. Diese Landschaft sollte man ausgiebig geniessen und sich genügend Zeit lassen. Unsere Wanderung dauerte vier Stunden, durch Schnee und Matsch. Ein tolles, schweisstreibendes Erlebnis. Mit einer kleinen Wanderkarte bewältigten wir den Weg, von dem man wegen des Schnees rasch abkommen könnte. Auch hier begegneten wir wenigen Leuten und fühlten uns manchmal etwas einsam und unsicher. Ginge man in diesen riesigen Nationalparks verloren, bestünde wahrscheinlich nur eine geringe Chance wiedergefunden zu werden.
Der letzte Park, den wir besuchten ist wohl der berühmteste im Westen Nordamerikas, der Grand Canyon. Doch leider war das Wetter sehr schlecht und wir sahen kaum in die Schluchten hinunter und konnten diese bloss leicht erahnen. Man sollte sich daher mindestens zwei Tage reservieren und am Grand Canyon verweilen, um so doch noch einen Blick ins Tal zu erhaschen.
Um nach Los Angeles zu gelangen fuhren wir einen Teil auf der historischen Route 66. Wenig Verkehr und wenig Sehenswertes, bis auf Hackberry. Dies ist eine alte Tankstelle voller Oldtimer und nostalgischen Gegenständen. Ein gefundenes Fressen für Fans des alten Westens. Nachdem wir die Route 66 verlassen hatten, besuchten wir in der Nähe unseres Hotels das Caligo Ghosttown. Überteuert und leider nicht wirklich sehenswert. Verbissen wurde der Versuch unternommen alles authentisch wirken zu lassen. Die meisten Gebäude sind mit Souvenirschrott gefüllt. Wer ein Ghosttown sehen möchte, sollte während des Roadtrips die Mühe auf sich nehmen beim Vorbeifahren eines echten, frei zugänglichen Ghosttowns umzukehren und diesem Ort die Aufmerksamkeit schenken.
Los Angeles machte das Ganze aber wieder wett. Venice Beach ist farbig, hippig und bekifft. Ich kann mir gut vorstellen, dass in den Sommermonaten hier echtes Calileben genossen werden kann. Aber auch im Winter kreuzen Skater den Weg und Strassenmusikanten versuchen ihr Glück.
Ein Muss in LA ist natürlich die Besichtigung des Hollywood Signs. Leider war die Zufahrt zu jenem Zeitpunkt gesperrt und wir konnten nicht all zu nahe heran fahren. Doch ein erhabenes Gefühl überkommt einen auch, wenn man den Schriftzug von weitem in echt zu sehen bekommt und so Schlüsse zu all den Filmen ziehen kann, in dem er zu sehen ist.
Weiter steht in LA das Ablaufen des Walk of Fame auf dem Programm. Wie ein pubertierender Teenie fühlt man sich, wenn man mit den Handabdrücken und Sternen von Johnny Depp oder den Stars aus Harry Potter Fotos schiesst.
Als Abschluss unseres Roadtrips verbrachten wir einen Tag im Universal Studios. Amerikanische Klischees werden hier bestätigt und für Spass ist garantiert.
Ein Roadtrip an der Westküste Amerikas zu machen ist ein tolles Erlebnis, garantiert für jedermann. Man kann sich den Plan selber zusammenstellen und in den Städten und Nationalparks unternehmen was einem am meisten zusagt. Die Wintermonate sind sicherlich gut geeignet, da zu dieser Zeit weniger Touristen unterwegs sind. Doch man sollte darauf Acht geben verschiedene Kleider dabei zu haben. Die Temperaturen schwanken zwischen 25° und minus Graden. Zudem sollte man sich für die einzelnen Orte genügend Zeit lassen.
Und ich muss sagen, der Roadtrip hat ganz klar mein Bild über die USA und dessen Bewohner zum positiven gewendet.
Ausblick vom Campus in Santa BarbaraHighway #1Ausblick von den Twin Peaks auf SFGolden Gate Bridge bei NachtGolden Gate Bridge bei TagSeelöwen am Pier 39Mirror Lake im Yosemite NPSonnenuntergang im Yosemite NPSanddünen im Death ValleySalzflächen im Death ValleyAusblicke von hoch oben im Death ValleyLas Vegas bei NachtAusblick aus dem Riesenrad auf LVHistorische Indianerrouten im Valley of FireFire Wave im Valley of FireZion NPBryce CanyonBryce CanyonGrand CanyonGrand CanyonHackberry, Route 66Caligo GhosttownVenice Beach LAUniversal Studios LAThe Lights LAAusblick auf LA
Im September 2014 war ich mit einer Freundin während einer Woche in Marokko. Wir wohnten über Airbnb bei einer sehr netten Frau zu Hause inmitten Marrakeshs Altstadt, der Medina. Marrakesh lebt, bei Tag und Nacht. Nirgends scheint man den Kontrast von Tradition und Moderne besser zu spüren als in dieser Stadt.
In der Medina wird in den Souks traditionelles Handwerk ausgeführt, daneben wird marokkanischer Münzentee getrunken. Jungen und Männer pfeifen und rufen frech hinterher, sobald man vorbei geht – auch noch nach sechs Tagen gleicher Route.
Alkoholische Getränke findet man in der Medina kaum. Es gibt aber moderne, mehr für westliche Leute ausgerichtete Cafés und Lounges wo Alkohol konsumiert werden kann. marokkanischer Rosé schmeckt vorzüglich.
In der Medina verirrt man sich unheimlich schnell, doch es macht Spass und bringt einen gewissen Nervenkitzel mit sich. Man sollte sich einfach treiben lassen. So entdeckt man in den verwinkelten Gassen immer wieder neue Ecken. Wichtig ist, dass man als Fussgängerin gut auf die Motorradfahrer und die Wagen mit Eseln Acht gibt. In der gesamten Zeit kam uns aber nie ein Unfall zu Gesicht, obwohl der Verkehr wie ein einziges Chaos erscheint.
Auf dem Hauptplatz Djemaa el Fna, der mittlerweile auch zu einer beliebten Touristenattraktion geworden ist, kann man tagsüber für umgerechnet -.40 frischgepressten Orangensaft an den vielen Buden geniessen. Am Abend kommen dann die Streetfoodstände angekarrt und der Platz füllt sich in der Dunkelheit mit Wasserdampf, Gerüchen, Lärm und Rauch. Ein unglaubliches Erlebnis dort abends zu essen, doch für Vegetarierinnen etwas schwierig. Man kommt nicht umhin als Touristin erkannt zu werden, sei es von den Budenbesitzern oder den Strassenkindern. Letztere kann man gerne auf eine Suppe einladen. Das scheint so selten zu geschehen, dass die vorher lauten und frechen Kids verdattert da sitzen und schweigend ihren hungrigen Magen füllen.
Moscheen können leider von Nichtmuslimen nicht von innen besichtigt werden. Doch in Marrakesh finden sich zahlreiche Museen, welche die Kultur und die Geschichte thematisieren. Nicht zu missen sind die frischen Kaktusfrüchte, welche man vor dem Verzehr direkt vom Händler schälen lassen kann.
Zu den besonderen Momenten jener Reise zählen der Besuch eines traditionellen Hammams und ein Hennatattoo. Für Marokkaner und Marokkanerinnen gehört es zum Alltag sich in getrennten Badehäusern zu waschen. Unsere Gastgeberin nahm uns mit und lehrte uns das Handwerk – absolut nicht zu verwechseln mit den Wellness Hammams hierzulande.
In Marrakesh bieten viele Frauen die Gestaltung eines Hennatatoos an. Man läuft dabei schnell Gefahr mit giftigen Farbstoffen in Berührung zu kommen. Zudem sind Motive wie Autos und Skorpione, welche zu allem Übel noch mit Glitzer verziert werden, ganz klar nicht im traditionellen Repertoire der Hennakunst zu finden. Deshalb begleitete unsere Gastgeberin uns zu einer Freundin nach Hause, wo wiederum eine weitere Freundin uns detailreiche und qualitative Hennas auf die Hände malte.
Im krassen Gegensatz zur Medina steht das Gueliz. Die Neustadt ist durch die alte Stadtmauer von der Medina getrennt. Dort finden sich westliche Modehäuser und junge Mädchen in Hotpants und bauchfrei. Statt des Münzentees trinkt man hier die besten Fruchtcocktails der Stadt. Für 1.20 CHF erhält man frische, äusserst schmackhafte Fruchtsmoothies in einer Art Bierhumpen serviert.
In diesem Stadtteil findet sich der Bahnhof und daneben das Stadttheater, welches seit Jahren umgebaut wird. Zudem kann man den Jardin Majorelle besichtigen. Dies ist der von Yves Saint Laurant angelete exotische Garten. Wunderschön, aber etwas überteuert.
Neben Marrakesh besuchten wir noch die westlich gelegene Küstenstadt Essaouira. Der Tagestrip entpuppte sich als wahre Wohltat fürs Gemüt, nach einigen Tagen hektischem Marrakesh. Alles geht etwas ruhiger zu und her in Essaouira. Berühmt ist die Stadt für ihren Fischmarkt. Etwas gewöhnungsbedürftig werden die Fische teils auf dem nackten Asphalt verkauft und der Gestank ist nicht für jedermann. Von der historischen Stadtmauer aus hat man einen faszinierenden Ausblick auf das tobende Meer.
Beide Städte sind allemal einen Besuch Wert. Nicht zu weit von Europa ist Marokko mit dem Flugzeug gut erreichbar. Für einige mag der Kulturschock etwas grösser, für andere kleiner ausfallen. Es benötigt sicherlich etwas Anklimatisierungszeit, doch dann kommt man ganz gut zu recht. Auffallen wird man jedoch immer. Der Sommer/Herbst sollte nicht als primäre Reisezeit gewählt werden, das Klima ist höllisch. Eine Woche Marrakesh reicht und ich empfehle weitere Städte im Land zu besuchen.
Nächstes Mal werde ich bestimmt den Atlas in Marokko bereisen.
Marrakesh:
Auf dem Djeema el Fna treffen sich Abends die StadtbewohnerKoranschule Medersa Ben YoussefFrischer Orangensaft auf dem Djeema el FnaSouvenirsAtemberaubende Cafés und GalerienAusblick vom Café des épices auf den Place aux épicesEselskarren in den engen GassenAuch breitere Strassen finden sich am Rande der MedinaIm Getümmel der SouksStadttheaterJardin Majorelle
Essaouira:
Frische WareBlau getünchte Türen, die Farbe EssaouirasGegensätzeDas tobende Meer und ein FischerFischereiFreizeit
Amateurtheater:
Theater Mausefalle, Solothurn: Die Hexenjagd von Arthur Miller http://www.mausefalle.ch
Microteatro:
In Malaga können im Microteatro für je 3€ 15 Minuten dauernde Inszenierungen auf engstem Raum besucht werden. Mehrere Aufführungen finden gleichzeitig in verschiedenen Kellerräumen statt und man kann sich direkt an der Bar spontan für mehrere Aufführungen entscheiden. Tolles Konzept! http://microteatromalaga.com
4.-8. November im Brückenpfeiler, Dalmaziquai 69, 3005 Bern
Mi-Sa 20:30, So 19:00
Elektra, Tochter Agamemnons, des Königs von Mykene. Seit ihre Mutter Klytämnestra den nach langen Kriegsjahren zurückkehrenden Ehemann im Bade totschlug, wünscht sich Elektra nur noch eines: Rache. Doch ihr Bruder Orest kehrt nicht heim. Die Mutter atmet weiter. Und so herrscht sieben Jahre lang Stillstand. Sieben Jahre lang wachen die Statuen der Ahnen über die Königin Klytämnestra. Sieben Jahre lang wartet Elektra. Doch nun regt sich etwas am Hof von Mykene. «Von den Sternen stürzt alle Zeit herab…»
Mit ihrer dritten Produktion haben sich „Kitsch. Zwei Schafe mit fünf Köpfen“ der Herausforderung gestellt, eine antike Tragödie in einem neuen Gewand auf die Bühne zu bringen. Das Ergebnis ist Elektra. So, wie sie die Grenzen zwischen Vergangenheit und Zukunft überschreitet, bewegt sich die Inszenierung zwischen Altertum und Gegenwart. Seid dabei, wenn sich allabendlich der Nebel um die stillgeschwiegenen Gräueltaten der Alten lichtet. Wenn auch nur, um gleich danach wieder neue zu verhüllen.
Spiel:
Lina Eggel
Laura Friedrich
Annina Hunziker
Elena Mauerhofer
Robert von Dewitz
Daniele Zurbrügg
Auf einer Herdplatte Gemüsebouillon zum kochen bringen.
1 grosse Zwiebel in Stücke schneiden.
In einen grossen Kochtopf Rapsöl geben und erhitzen. Die Zwiebeln hinzugeben und umrühren.
300 g Risottoreis hinzugeben und sofort umrühren. Mit Weisswein ablöschen und verdampfen lassen. Vorsicht: nicht anbrennen lassen!
Kochendes Gemüsebouillon beigeben, so dass der Reis gerade bedeckt ist. Die Flüssigkeit aufsaugen und verdampfen lassen und wieder neues Bouillon beigeben. Diesen Schritt während 30 Minuten wiederholen und immer wieder umrühren. Mit Pfeffer würzen.
Was für ein Nachmittag. Pünktlich um 13:00 traf ich bei der syrischen Familie Alrayyan ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich sechs Stunden dort verweilen würde. Und es gab etwas zu feiern: die beiden Söhne Ahmad (26) und Osama (19) erhalten Asyl. Ich kam gleich zu Beginn in den Genuss hervorragender Gastfreundschaft. Es wurde traditioneller Mate Tee mit Nüssen serviert.
Joumana (50), die Mutter hat stets ein Lachen auf dem Gesicht. Sie reisst Witze und schenkt mir immer wieder Tee ein. Sie ist Expertin in der arabischen Hochsprache und arbeitete in Damaskus. Dort war sie an der Hochschule unteranderem für Kulturelle und Soziale Anlässe verantwortlich. Als Lektorin korrigierte sie arabische Übersetzungen bevor diese veröffentlicht wurden. Mehr und mehr wurde aber ihr Arbeitsplatz, besonders der Arbeitsweg zu gefährlich. Busse mit Zivilisten wurden als menschliche Schutzschilder für das Militär benutzt. Unter diesen Umständen konnte sie nicht in Syrien bleiben und weiter arbeiten.
Shukri (53), der Vater schaltet sich ein. Das Problem der derzeitigen Flüchtlingskrise sei, dass man die Flüchtlinge vom Hauptproblem getrennt betrachtet. Man müsse vor Ort in Syrien etwas unternehmen. Die Situation dort wird immer schlimmer. Die Menschen haben keine Nahrung und keinen Strom. Nun ist auch noch die IS einmarschiert. Das Volk wird von zwei Seiten, vom Regime und der IS gemordet. Was sollte man sonst tun als zu flüchten? Viele bleiben natürlich in Syrien und versuchen den normalen Alltag zu leben. Doch dies wird zunehmend erschwert. Für einen Arbeitsweg, den man früher in drei Minuten bewältigte, benötigt man heute eineinhalb Stunden. Strassen sind gesperrt und man muss grosse Umwege machen. Überall sind Checkpoints mit echten oder unechten Soldaten. Sie kontrollieren die Papiere aller Leute, um so Rebellen oder potentielle Soldaten rausnehmen zu können. Es herrscht grosse Willkür und Korruption. Ahmad versucht die rumbrüllenden Soldaten an den Checkpoints zu entschuldigen. Sie stünden den ganzen Tag in der Sonne, können auch nicht ihre Familien sehen und suchen dann ein Ventil für ihre Wut. Immer wieder würden Bombeneinschläge gehört. Man braucht grosses Glück, um am nächsten Tag in Damaskus wieder heil zu Hause anzukommen. Die Bomben seien bestimmt meistens vom Regime, damit die dann lügen können, es seien die Rebellen gewesen, so Ahmad.
Die Familie kam im August 2013 in die Schweiz. Der entscheidende Moment für den älteren Sohn Ahmad die Flucht zu ergreifen, war als er das Kunststudium abgeschlossen hatte und in die Armee gehen sollte. Denn so lange man in Syrien studiert, muss man nicht einrücken. Er versuchte es bei der französischen Botschaft in Libanon. Doch die glaubten nicht, dass er nur zu Besuch nach Frankreich reisen wollte, obwohl dort sein Onkel lebt. Auch ein Studienaustauschprogramm wie Erasmus wurde ihm nicht gewährt. Also überlegte er sich zu Fuss in die Türkei zu gehen und sich in die EU schmuggeln zu lassen. Glücklicherweise gelang es aber schliesslich 2013 der in der Schweiz lebenden Tante eine Einladung für den Familiennachzug zu machen. Alles mussten sie stehen und liegen lassen. Die Eltern hatten eine Karriere. Shukri ist ausgebildeter Mechanik Ingenieur und arbeitete als Autor und TV-Produzent. Ahmad wohnte die meiste Zeit in seinem Vierzimmeratelier, denn er ist Künstler, wie auch sein Bruder Osama. Die Mutter macht Schmuck. Eine sehr kreative Familie. Shukri ist der Meinung, dass sie aufgrund der akademischen Ausbildungen und sehr guten Englischkenntnissen für die Zukunft der Schweiz etwas beitragen könnten und möchten.
Sie reisten von Beirut nach Genf und beantragten Asyl. Die Eltern haben bisher keine Antwort erhalten. Zu Beginn werden alle syrischen Flüchtenden als F eingestuft. Also eigentlich weggewiesen, doch sie dürfen wegen der Gefahr an Leib und Leben nicht zurück geschickt werden und sind vorläufig aufgenommen. Bei der Familie Alrayyan gestaltete sich das ganze noch etwas anders. Der Vater Shukris war Palästinenser. Obwohl Shukri und die Söhne in Syrien geboren wurden und nichts anderes kennen, erhielten sie nur Palästinensische Pässe. Sie gelten schon ihr Leben lang als Flüchtlinge. Sie sind in der Schweiz als zweifache Flüchtlinge und als staatenlos eingestuft. Hier sind sie in Sicherheit, doch macht ihnen das syrische Regime und deren Anhänger immer noch Angst. Sie befürchten, dass sie und die IS sich über die Flüchtlingsströme in der EU einnisten und Terroranschläge verüben werden. Die Familie verfolgt die Geschehnisse über verschiedene Kanäle. Ahmad ist der Meinung, dass der Krieg nur durch die Aufspaltung des Landes ein Ende haben wird: Ein Teil für Russland, einer für den Iran und einer International. Oder Baschar al-Assad stirbt.
Zwischen unseren Gesprächen werden Selfies von Freunden, welche den Weg durch Ungarn gemacht haben, gezeigt. Zudem ist Joumana Tante geworden, denn ihr in Syrien lebender Bruder, auch Künstler, hat Zwillinge bekommen. Freude herrscht, doch auch eine gewisse Bedrücktheit darüber, dass diese jungen Leben in einem derartigen Chaos geboren werden mussten. Die Familie Alrayyan möchte nun in der Schweiz eine neue Zukunft beginnen. Alle Erinnerungen in Form von Fotoalben mussten sie zurücklassen und wollen nun neue Erinnerungen formen. Sie schätzen die Herzlichkeit und Offenheit der Schweizer und Schweizerinnen sehr. Sie fühlen sich willkommen und bereiten sich intensiv auf ein neues Leben vor. Jeden Tag wird Deutsch gelernt, denn sie wollen arbeiten. Sie haben bereits viele Bekanntschaften geschlossen und enge Freunde gefunden. Gerne würden sie aber mehr über das politische System in der Schweiz erfahren und finden es seltsam, dass kein derartiger Bildungsunterricht stattgefunden hat. Die Familie lebt in einer Dreizimmerwohnung in Langenthal. An diesem Nachmittag wurden tolle Gespräche über Essen, Religion, Politik und Freundschaft geführt. Die Söhne machen Ausstellungen, die Mutter präsentiert hier und dort ihren Schmuck und gemeinsam beginnen sie sich hier richtig wohl und zu Hause zu fühlen. Zum Abschluss des Nachmittags wurde ein syrisches Essen angerichtet. Die Zukunft der Familie Alrayyan ist bei uns!