Marokko 14

Reisen

Im September 2014 war ich mit einer Freundin während einer Woche in Marokko. Wir wohnten über Airbnb bei einer sehr netten Frau zu Hause inmitten Marrakeshs Altstadt, der Medina. Marrakesh lebt, bei Tag und Nacht. Nirgends scheint man den Kontrast von Tradition und Moderne besser zu spüren als in dieser Stadt.
In der Medina wird in den Souks traditionelles Handwerk ausgeführt, daneben wird marokkanischer Münzentee getrunken. Jungen und Männer pfeifen und rufen frech hinterher, sobald man vorbei geht – auch noch nach sechs Tagen gleicher Route.
Alkoholische Getränke findet man in der Medina kaum. Es gibt aber moderne, mehr für westliche Leute ausgerichtete Cafés und Lounges wo Alkohol konsumiert werden kann. marokkanischer Rosé schmeckt vorzüglich.
In der Medina verirrt man sich unheimlich schnell, doch es macht Spass und bringt einen gewissen Nervenkitzel mit sich. Man sollte sich einfach treiben lassen. So entdeckt man in den verwinkelten Gassen immer wieder neue Ecken. Wichtig ist, dass man als Fussgängerin gut auf die Motorradfahrer und die Wagen mit Eseln Acht gibt. In der gesamten Zeit kam uns aber nie ein Unfall zu Gesicht, obwohl der Verkehr wie ein einziges Chaos erscheint.
Auf dem Hauptplatz Djemaa el Fna, der mittlerweile auch zu einer beliebten Touristenattraktion geworden ist, kann man tagsüber für umgerechnet -.40 frischgepressten Orangensaft an den vielen Buden geniessen. Am Abend kommen dann die Streetfoodstände angekarrt und der Platz füllt sich in der Dunkelheit mit Wasserdampf, Gerüchen, Lärm und Rauch. Ein unglaubliches Erlebnis dort abends zu essen, doch für Vegetarierinnen etwas schwierig. Man kommt nicht umhin als Touristin erkannt zu werden, sei es von den Budenbesitzern oder den Strassenkindern. Letztere kann man gerne auf eine Suppe einladen. Das scheint so selten zu geschehen, dass die vorher lauten und frechen Kids verdattert da sitzen und schweigend ihren hungrigen Magen füllen.
Moscheen können leider von Nichtmuslimen nicht von innen besichtigt werden. Doch in Marrakesh finden sich zahlreiche Museen, welche die Kultur und die Geschichte thematisieren. Nicht zu missen sind die frischen Kaktusfrüchte, welche man vor dem Verzehr direkt vom Händler schälen lassen kann.
Zu den besonderen Momenten jener Reise zählen der Besuch eines traditionellen Hammams und ein Hennatattoo. Für Marokkaner und Marokkanerinnen gehört es zum Alltag sich in getrennten Badehäusern zu waschen. Unsere Gastgeberin nahm uns mit und lehrte uns das Handwerk – absolut nicht zu verwechseln mit den Wellness Hammams hierzulande.
In Marrakesh bieten viele Frauen die Gestaltung eines Hennatatoos an. Man läuft dabei schnell Gefahr mit giftigen Farbstoffen in Berührung zu kommen. Zudem sind Motive wie Autos und Skorpione, welche zu allem Übel noch mit Glitzer verziert werden, ganz klar nicht im traditionellen Repertoire der Hennakunst zu finden. Deshalb begleitete unsere Gastgeberin uns zu einer Freundin nach Hause, wo wiederum eine weitere Freundin uns detailreiche und qualitative Hennas auf die Hände malte.

Im krassen Gegensatz zur Medina steht das Gueliz. Die Neustadt ist durch die alte Stadtmauer von der Medina getrennt. Dort finden sich westliche Modehäuser und junge Mädchen in Hotpants und bauchfrei. Statt des Münzentees trinkt man hier die besten Fruchtcocktails der Stadt. Für 1.20 CHF erhält man frische, äusserst schmackhafte Fruchtsmoothies in einer Art Bierhumpen serviert.
In diesem Stadtteil findet sich der Bahnhof und daneben das Stadttheater, welches seit Jahren umgebaut wird. Zudem kann man den Jardin Majorelle besichtigen. Dies ist der von Yves Saint Laurant angelete exotische Garten. Wunderschön, aber etwas überteuert.

Neben Marrakesh besuchten wir noch die westlich gelegene Küstenstadt Essaouira. Der Tagestrip entpuppte sich als wahre Wohltat fürs Gemüt, nach einigen Tagen hektischem Marrakesh. Alles geht etwas ruhiger zu und her in Essaouira. Berühmt ist die Stadt für ihren Fischmarkt. Etwas gewöhnungsbedürftig werden die Fische teils auf dem nackten Asphalt verkauft und der Gestank ist nicht für jedermann. Von der historischen Stadtmauer aus hat man einen faszinierenden Ausblick auf das tobende Meer.

Beide Städte sind allemal einen Besuch Wert. Nicht zu weit von Europa ist Marokko mit dem Flugzeug gut erreichbar. Für einige mag der Kulturschock etwas grösser, für andere kleiner ausfallen. Es benötigt sicherlich etwas Anklimatisierungszeit, doch dann kommt man ganz gut zu recht. Auffallen wird man jedoch immer. Der Sommer/Herbst sollte nicht als primäre Reisezeit gewählt werden, das Klima ist höllisch. Eine Woche Marrakesh reicht und ich empfehle weitere Städte im Land zu besuchen.

Nächstes Mal werde ich bestimmt den Atlas in Marokko bereisen.

Marrakesh:

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Auf dem Djeema el Fna treffen sich Abends die Stadtbewohner

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Koranschule Medersa Ben Youssef

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Frischer Orangensaft auf dem Djeema el Fna

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Souvenirs

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Atemberaubende Cafés und Galerien

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Ausblick vom Café des épices auf den Place aux épices

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Eselskarren in den engen Gassen

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Auch breitere Strassen finden sich am Rande der Medina

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Im Getümmel der Souks

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Stadttheater

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Jardin Majorelle

Essaouira:

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Frische Ware

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Blau getünchte Türen, die Farbe Essaouiras

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Gegensätze

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Das tobende Meer und ein Fischer

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Fischerei

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Freizeit