Jungfrau von Orleans

Gesehen

Am 27.10 besuchte ich im Pfauen in Zürich Stephan Kimmings Inszenierung Die Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller. Die Inszenierung begann mit einer Videoaufnahme von Johanna, der Hauptfigur, welche auf weisse, runter hängende Stoffe projiziert wurde. Dann wurde Johanna live gefilmt, was auch wiederum auf die Stoffe projiziert wurde. Dieses Mittel erinnert stark an die Faust Inszenierung vergangener Saison am Konzert Theater Bern. Auch dort wurde live auf der Bühne direkt das Gesicht der Schauspieler und Schauspielerinnen gefilmt. So entstand eine leicht verschobene Parallelwelt zur Echtzeit des Geschehens. Dieses Mittel schien mir bei Die Jungfrau von Orleans nicht sehr geschickt gewählt, denn es wirkte wie ein rasch entschiedener Versuch in die sonst eher lahme Inszenierung Dynamik zu bringen. Die Videosequenzen stellten aber neben den szenischen Teilen, die ohne Kamera liefen, eine agil wirkende Kontinuität dar und wurden konsequent als Mittel bis zum Schluss eingesetzt, was wiederum für die Wahl des Filmens spricht. Gerade die Szenen, welche auf dem Schlachtfeld spielen, konnten durch verwackelte Videosequenzen gut dargestellt werden.
Starr, regungslos und unnahbar sind die Figuren, die ihren Text herunterleiern. Johanna überzeugte wenig. Sie wirkte mehr, wie ein armes, schmutziges Waisenkind, als wie eine Heldin. Wahrscheinlich leidet das Spiel am bedeutungsschwangeren Text, der mit einem aktuelle Themen aufgreifenden Text von Peter Stamm ergänzt wurde. Ein nicht zu schlecht gelungener Versuch das Zeitgeschehen in den Stoff um Jean D’Arc einzuweben.
Das Bühnenbild spiegelt mit seinen wallenden, weissen Stoffen, in verschiedene Linien gehängt, eine Parallelwelt wieder, welche bereits in den Filmsequenzen zu spüren sein könnte. Wo liegt diese Parallelwelt, was will sie dem Zuschauer zeigen? Die Antworten auf diese Fragen habe ich nicht. Ich verliess die Aufführung mit gemischten Gefühlen. Es bereitete mir Mühe der ruhigen Schauspielweise zuzusehen, ständig wartete ich auf einen Knall, auf etwas, was heraussticht, doch es kam nicht.