Das war die Premiere

Schauspiel, Vergangen

Fulminante «Lööli-Show» begeistert

LangenthalDas Theater Überland zeigte im Stadttheater Langenthal unter der Regie von Reto Lang die Uraufführung der Satire «Lööli-Show». Die Aufführung war ein Erfolg: Das Publikum liess sich von Anfang bis Ende davon mitreissen.

Der Dummkopf in der «Lööli-Show»: Der Komiker Freddy Müller, gespielt von Frank Demenga, erhält die Chance, in einer Hochglanz-TV-Show mitzuspielen. Hier im Gespräch mit Karin Wirthner, die seine Agentin spielt.

Der Dummkopf in der «Lööli-Show»: Der Komiker Freddy Müller, gespielt von Frank Demenga, erhält die Chance, in einer Hochglanz-TV-Show mitzuspielen. Hier im Gespräch mit Karin Wirthner, die seine Agentin spielt. Bild: Daniel Fuchs

Der Komiker Freddy Müller hat mit seinen Auftritten keinen Erfolg mehr, da niemand seinen skurrilen Humor versteht. Da erhält er die Gelegenheit, als «Lööli», sprich Dummkopf, in einer Hochglanz-TV-Show mitzuwirken. Er soll einen Vorgestrigen mimen, der keine Ahnung von moderner Technik, sprich Fernseher und PC, hat. Doch niemand hat mit seiner anarchistischen Ader gerechnet.

Echte Fernsehshow

Frank Demenga, Autor des Stücks und Darsteller des Freddy, zeigt im ersten Teil der Satire «Lööli-Show», die im Stadttheater uraufgeführt wird, wie Freddy zu seinem Engagement kommt. Für die Produzenten der TV-Show, die er mit seinen komischen Einlagen auflockern soll, ist er ein Hampelmann. Niemand nimmt ihn ernst.

Im zweiten Teil nimmt das Stück Fahrt auf. Es zeigt eine echte TV-Show rund um das Thema «Verrückte Welt der Vernetzung». Skurrile Wissenschaftler kreuzen die Klingen. Selbst Christoph Blocher tritt als martialische Frauenperson auf.

Zwischen den Diskussionen gibt es Lichtshows, Liveacts mit einer Sängerin, einer Geigerin, einem singenden Moderator und Tänzerinnen. Und eben Freddys komische Einlagen.

Marionetten der Technik

Regisseur Reto Lang gelingt eine fulminante Show, in der in schneller Abfolge ein Act in den anderen übergeht. Bald vergisst man, dass man im Theater und nicht vor dem Fernseher sitzt. Für die Liveauftritte hat Lang die Sängerin Yvonne Baumer gewonnen, die mit ihrer Stimme die Herzen berührt.

Die junge Rumänin Julia Andreea Smeu ist eine wahre Teufelsgeigerin und fasziniert nicht nur mit ihrem Spiel, sondern auch mit ihrer Schönheit das Publikum. Vier junge Tänzerinnen runden die Showeinlagen ab.

Wer aber nun glaubt, es ginge in dem Theaterstück nur um eine oberflächliche TV-Show, täuscht sich gewaltig. Frank Demenga zeigt uns in Überspitzung den Wandel unserer Gesellschaft in ein digitales Zeitalter, in dem wir nur noch Marionetten der Technik sind. Entsprechend unsympathisch kommen die Befürworter der total vernetzten Welt daher, umso liebenswerter dafür wirkt der angeblich dumme Freddy.

Tosender Applaus

Was die drei Schauspieler und die zwei Schauspielerinnen in verschiedenen Rollen zeigen, ist umwerfend. Da ist Frank Demenga als Freddy, der in der Show zum Advocatus Diaboli mutiert. Allein schon die Facetten seiner Mimik, aber auch seine Sprachgewandtheit faszinieren.

Als seine «Beschützerin» zeigt Karin Wirthner die eiskalte Managerin, aber auch die verletzliche, im Grunde in Freddy Verliebte. In pinkfarbenem Lackkleid und mit blonder Perücke persifliert sie die Rolle der Assistentin des Moderators mit einem permanent zuckersüssen Lächeln.

Die Wandlungsfähigkeit von Marlise Fischer ist frappant. Bei jedem Auftritt ist sie eine andere Persönlichkeit, ob forsche Wissenschaftlerin oder demente Frau. Christian Intorp gibt den Moderator aalglatt und arrogant, ein wahrer Kotzbrocken, und überzeugt auch als Sänger. Kaspar Weiss schlüpft ebenfalls in verschiedene Rollen.

Bald spielt er überzeugend den unterwürfigen Assistenten der Produzentin, dann wieder einen verschrobenen Wissenschaftler.

Brigitte Wolf kleidet die Showcrew in Lack und betont damit das Künstliche dieser Welt. Die vielen Rollenwechsel unterstreicht sie mit einem entsprechenden Kostüm. Am Ende der «Lööli-Show» erntet das Ensemble tosenden Applaus. Wer die Premiere verpasst hat, kann das Stück am 18.Februar sehen, wenn es nochmals gegeben wird. (Berner Zeitung, 16.11.15)