Übrigens gesehen

Gesehen

Amateurtheater:
Theater Mausefalle, Solothurn: Die Hexenjagd von Arthur Miller
http://www.mausefalle.ch

Microteatro:
In Malaga können im Microteatro für je 3€ 15 Minuten dauernde Inszenierungen auf engstem Raum besucht werden. Mehrere Aufführungen finden gleichzeitig in verschiedenen Kellerräumen statt und man kann sich direkt an der Bar spontan für mehrere Aufführungen entscheiden. Tolles Konzept! http://microteatromalaga.com

Sommerkino Langenthal:
Usfahrt Oerlike, http://www.frenetic.ch/katalog/detail//++/id/973

Theaterspektakel Zürich:
Milo Rau & Residenztheater München: The Dark Ages
https://www.theaterspektakel.ch/programm/stueck/the-dark-ages/
http://international-institute.de

Szenische Lesung:
In der Loge Luzern, Szenische Krimilesung von und mit Judith Stadlin & Michael van Orsouw: Rötelsterben
http://www.logeluzern.com

Shnit International Shortfilmfestvial:
http://shnit.org

Love / No Love

Gesehen

Gesehen am: 19.05.15 in der Box des Schiffbaus in Zürich

Das neuste Werk vom Regisseur René Pollesch ist zur Zeit im Schiffbau in Zürich zu sehen.
Die Bühne sieht aus wie eine Turnhalle. Auf dem orangen Boden sind die Umrisslinien zweier Wohnungen zu sehen. Die Zuschauer sitzen auf einer Art Tribüne. Die Kostüme der Darsteller und Darstellerinnen sind auch orange. Sie tragen Jogginganzüge, auf denen auf der Vorderseite ein grünes Blättermuster gedruckt ist.
Die drei Hauptdarsteller und Hauptdarstellerinnen bemerken, dass ihre Wohnung keine fassbaren Möbel mehr hat. Diese werden jetzt nähmlich durch ca. 20 Männer verkörpert. Alles wird fortan durch Menschen dargestellt. Die drei Hauptdarsteller und Hauptdarstellerinnen sprechen meist zu den 20 Männern, diese antworten oft als Chor. Liebe, Vernunft, Zukunft etc. – scheinbar alles wird diskutiert und besprochen, während parallel verschiedene Bewegungsabläufe unternommen werden. Später fallen tausende schwarzer Gummibälle von der Decke auf die Bühne, als einzige fassbare Gegenstände. Zudem wechseln in dieser Zeit die drei Hauptdarsteller und Hauptdarstellerinnen ihre Kostüme. Weshalb sie dies tun, bleibt unklar.

Ein postdramatisches Erlebnis höchsten Grades, wie Hans-Thies Lehmann wahrscheinlich sagen würde. Pure Körperlichkeit. Der Text der Darstellenden rückt in den Hintergrund und erscheint eher als Textfläche, dem man mehr und mehr nicht folgen kann. Die Zeit vergeht wie im Flug. Vom Orange erblindet verlässt man schliesslich irritiert, verzaubert und stutzig die Turnhalle.

http://www.schauspielhaus.ch/spielplan/premieren/511-love-no-love

Berliner Theatertreffen

Gesehen

Letzte Woche war ich mit dem Institut für Theaterwissenschaft Bern in Berlin am Theatertreffen. Wir sahen:

John Gabriel Borkmann von Henrik Ibsen, Regie: Karin Henkel
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/theatertreffen/tt15_programm/tt15_programm_gesamt/tt15_veranstaltungsdetail_123221.php

Das Fest nach dem gleichnamigen Film, Regie: Christopher Rüping
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/theatertreffen/tt15_programm/tt15_programm_gesamt/tt15_veranstaltungsdetail_123285.php

Warten auf Godot von Samuel Beckett, Regie: Ivan Panteleev
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/theatertreffen/tt15_programm/tt15_programm_gesamt/tt15_veranstaltungsdetail_123350.php

Die lächerliche Finsternis von Wolfram Lotz, Regie: Dušan David Parizek
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/theatertreffen/tt15_programm/tt15_programm_gesamt/tt15_veranstaltungsdetail_123286.php

Common Ground von Yael Ronen und Ensemble, Regie: Yael Ronen
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/theatertreffen/tt15_programm/tt15_programm_gesamt/tt15_veranstaltungsdetail_123351.php

Human Resources

Gesehen, Senf

Von und mit kraut_produktion & Theater HORA

Gesehen am 3.05.15 im Rahmen des Auawirleben Theaterfestivals im Tojo Theater Bern

Vier Schauspieler und Schauspielerinnen mit Beeinträchtigung und drei Schauspieler und Schauspielerinnen ohne Beeinträchtigung gaben sich ein Stelldichein. Das Stück behandelt menschliche Bedürfnisse, Verhaltensweisen und die Frage nach dem Menschen als Mittel, wobei Human Resources ins Deutsche übersetzt Personal bedeutet.

Bisher hat sich mir der Bezug vom Stück zum Titel noch nicht ganz erschlossen. Während der Vorstellung kursierte ein pinkes Sparschwein im Zuschauerraum. Der Zweck war, dass man etwas Geld einwerfen sollte, um den Schauspielern und Schauspielerinnen mit Beeinträchtigung etwas kaufen zu können, da diese keinen Lohn für die Aufführung erhalten würden. Hier könnte ein Bezug zum Titel bestehen. Was kostet Personal? Braucht es Personal? Ist ein Schauspieler oder eine Schauspielerin Personal? Wie definiert sich Personal?

Dramaturgisch erschliesst sich das Stück aber recht einfach. Szenen wechselten sich ab, welche wahrscheinlich von den jeweiligen Initiatoren selber gestaltet und erfunden wurden. So moderierte ein Schauspieler eine Datingshow, ein anderer, der berichtet er würde an der Hochschule der Künste Bern (HKB) dozieren, gestand seine Zuneigung zu einer Studentin und ein weiterer Schauspieler holte lange in der Performancegeschichte aus, während er seine Performance aufbaute.

Dies stellte für mich den Höhepunkt des Stücks dar. Mit voller Ernsthaftigkeit erzählte er von den Blut -und Fleischperformances, welche er und sein Freund in den 80er in Bern durchgeführt hätten. Wiener Aktionismus hätten sie nicht gekannt und dachten sie wären die ersten die mit Eingeweiden um sich warfen. Sie hätten noch eine Botschaft zu übermitteln, Kunst sei politisch gewesen, da habe man einfach noch gemacht ohne Bewilligungen und finanzielle Anträge zu stellen. Aber da man das ja heute nicht mehr könne, probiere er jetzt etwas Neues. Daraufhin schüttete er sich einen Kübel voller veganer Bratlingskrümel über den Kopf. Eine vegane Schüttung. Während der Rest vom Stück meist mit der Frage von menschlichen Bedürfnissen und allgemein dem Menschsein arbeitete, ging es bei der veganen Schüttung um viel mehr: Wozu sind Künstler da? Was dürfen Künstler noch? Wie erschafft man heute noch neue, inovative Kunstwerke? Im Anschluss an die vegane Schüttung trat der HKB Dozent nach vorne. Man sah ihm seine Ernüchterung und Enttäuschung an. In seinem Monolog handelte es schliesslich davon, dass all die Kulturschaffenden letztendlich für nichts seien. Man habe leider noch keinen Weg gefunden das Gen der Kulturschaffenden auszurotten. Daher sei es auch besser, dass er und seine Studentin keine Kinder bekämen, da es ohnehin wieder einen Kulturschaffenden geben würde. War dies die Moral des Stücks? Wozu die Künste? Daraufhin geht der Performer ab und kehrt später, nur mit einem Tanktop und goldig glitzernden Skyheels bekleidet, zurück. Es scheint, als wolle er ein letztes Mal im Rampenlicht stehen. Das Ende des Stücks verliert an Bedeutung. Meine Augen richteten sich nur noch auf den niedergeschlagenen, nackt entblössten, von Scham erfüllten Künstler.

http://auawirleben.ch/de/2015/programm/human-resources

b o n e r

Gesehen, Senf

Von und mit Iggy Malmborg

Gesehen am: 2.5.15 im Rahmen des Auawirleben Theaterfestivals, im Schlachthaustheater Bern

Ein jung aussehender Mann steht auf der Bühne. Er erklärt dem Publikum, welches den Zuschauerraum des Schlachthauses durch den Hintereingang betreten musste, also bereits über die Bühne gegangen ist, dass es während seiner Performance etwas zu tun hat und was er an diesem Abend vorhat. Die Zuschauer sollen bis zu einem gewissen Zeitpunkt Probleme, Dilemmas, Szenenideen etc. auf Papier schreiben, dieses verknüllen und auf die Bühne werfen. Später benutzte er diese Publikumsgedanken, um in einer begrenzten Zeitspanne Inszenierungskonzepte zu entwickeln.

Und so funktionierte sein ganzes Stück. Von einem Lautsprecher erhielt der Darsteller jeweils Aufträge, welche er auf der Bühne ausführen sollte. Diese Aufträge wechselten sich mit Wortmeldungen von Objekten ab, das heisst der Darsteller hielt jeweils einen weiteren, portablen Lautsprecher an diese Objekte dran. So erhielt beispielsweise der rote Feueralarmknopf auf der Bühne eine Stimme, welche aus dem Lautsprecher zu hören war. Er erzählte, wozu er da sei, was seine Bestimmung sei und falls er misslingen würde, in dem was er tun sollte, sei er „per Definition: Trash“.

Der Darsteller versuchte sich selbst ebenfalls als Objekt einzusetzen. Während den Aufträgen, welche er vom Lautsprecher erhielt, musste er unteranderem innerhalb einer gewissen Zeitspanne erröten, weinen oder eine Erektion bekommen.

In einem zweiten Teil des Stücks wiederholte er diese Aufträge. Hierzu hatte er nun aber Unterstützung von anderen Objekten. Er errötete, da er sehr rasch sehr viele Luftballons aufblasen musste, er weinte wegen Tigerbalsam unter den Augen und die Erektion wurde durch eine geschluckte Viagrapille begünstigt.

Während der Darsteller im ersten Stückteil in seinen Aktionen Niederlagen erleiden konnte, war der Erfolg der Aktionen im zweiten Teil garantiert. Dies aber nur, da er sich von anderen Objekten Unterstützung holte. Eine Botschaft an das menschliche Leben, an den ewigen Druck immer funktionieren und alles schaffen zu müssen.

http://auawirleben.ch/de/2015/programm/b-o-n-e-r

Gott des Gemetzels

Gesehen, Senf

Am Samstagabend sah ich im Langenthaler Stadttheater ein Gastspiel des Theaterensembles Theater Thearte. Sie zeigten ihre Adaption des Stücks Gott des Gemetzels der französischen Autorin Yasmina Reza. Die Autorin ist bekannt für das Stück Kunst, welches unter anderem mein Lieblingstheaterstück ist und für eben besagtes Stück Gott des Gemetzels, welches auch schon von Roman Polanski verfilmt wurde. Theater Thearte zeigt die Inszenierung noch am 27. und 28. März im Théatre de Poche in Biel.
Man merkte als Zuschauer, dass die Bühne des Langenthaler Stadttheaters eine neue Herausforderung und Bedingung für die vier Schauspieler und Schauspielerinnen darstellte. Sie meisterten jedoch den Abend alles in allem gut. Manchmal, wenn die Schauspieler und Schauspielerinnen mit dem Rücken zum Publikum standen, was öfter bewusst vorkam, verstand man sie akustisch nicht sehr gut. Allgemein hätte die Lautstärke der Stimmen etwas höher sein dürfen. Hinzukam, dass alles in Schweizerdialekt gesprochen wurde. Es minderte die Qualität der Aufführung, da vieles, wie es gesagt wurde, im alltäglichen Dialekt nicht so gesagt wird. Leider wirkte es dann zum Teil unnatürlich und eingeübt. Gut fand ich, dass die Alter der Rollen auch ungefähr jenen der Schauspieler und Schauspielerinnen entsprachen.
Das Stück handelt davon, dass ein Schuljunge, einem Anderen mit einem Stock Zähne ausschlägt. Die Eltern treffen sich dann bei jenen des Opfers zu Hause und diskutieren die Sachlage. Doch es bleibt nicht dabei. Es entsteht ein riesiges Chaos. Themen wie Erziehung, Verantwortung, Arbeit, Schuld, Ehe und viele weitere werden in diesem Stück behandelt. Streitereien, Erbrechen, Agressionen, Alkohol und Telefonate bringen eine Struktur in das Geschehen. Das Ganze erzeugt eine besondere Nähe zum Publikum, da die Handlungen in Echtzeit passieren. Als Zuschauer wird man in die Rolle des Voyeurs gezwängt, der einen intimen Einblick in die Abgründe des menschlichen Daseins erhält. Das Stück ist sehr textlastig und manchmal schienen die Handlungen der Figuren etwas unnatürlich, unpassend und krampfhaft. Man versuchte diesen Mikrokosmos eines Wohnzimmers mit Aktivitäten auszugestalten, doch es hätte noch viel mehr Potential in sich getragen.

Empfehlenswert für Menschen in Midlifecrisis‘, Menschen die Kinder zu erziehen versuchen, Menschen die anderen beim Versagen gerne zusehen und für alle jene Menschen, die ein Stückchen echten Lebens auf der Bühne gerne sehen möchten.

http://www.theaterthearte.ch/

Melkein Kuin Emmerdalessä

Gesehen, Senf

Ich sah mir heute alleine ein finnisches Gastspiel im Theater am Käfigturm in Bern an. Minna Koskela, in meiner zweiten Heimat durchaus bekannt, schrieb und inszenierte das Stück Melkein Kuin Emmerdalessä. Ich freute mich darauf etwas heimatlichen Humor, finnische Klischees und vor allem finnisches Schauspiel zu sehen und zu hören. An der Theaterkasse fragte mich einer, ob ich Mitglied sei, nein ich bin noch nicht Mitglied beim Schweizerischen Verein Freunde Finnlands, dachte ich. Anstelle des Preises von 35.- für Nichtmitglieder, bezahlte ich dann doch nur 20.- als Studentin. Das war nett. Ich kannte niemanden – so müssen sich wohl Touristen in Finnland vorkommen, wenn sie kein einziges Wort verstehen, mit dem Unterschied, dass ich alles verstand und mir trotzdem einsam vorkam.

Also setzte ich mich brav alleine in die zweitvorderste Reihe im Zuschauerraum. Langsam füllte sich der Raum und regelmässig strömten laut quatschende, Wein trinkende, blonde Riesen-Frauen rein. Wovon sich eine genau vor mich setzte. Ich setzte mich dann doch etwas peinlich berührt neben sie in die vorderste Reihe und erklärte ihr, sie sei einfach zu gross. Es stellte sich heraus, dass sich in die vorderste Reihe zu setzen, um dem Stück folgen zu können, doch eine gute Entscheidung war. So hatte ich das Gefühl ganz bei der Sache dabei sein zu können und fühlte mit den später weinenden Schauspielerinnen mit.

Zuerst begrüsste die dickliche Regisseurin das nur finnische Publikum. Währendem sass bereits eine der Schauspielerinnen auf der Bühne und blätterte in einer Zeitschrift. So ging es dann eine Weile, bis eine zweite Frau auf die Bühne trat. Es machte den Anschein, als würden sie sich nicht kennen und wären beide einfach so an diesem undefinierbaren Ort gelandet. Es stellte sich dann heraus, dass sie Schwestern waren, welche sich jahrelang nicht mehr gesprochen hatten, da die Späterhinzugekommene (Laura) der Ersten (Anu) den Freund ausgespannt hatte und nun mit ihm in Tallinn lebte. die Schwestern befanden sich beide in einem Wartezimmer, da die Mutter ins Spital eingeliefert wurde. Das Stück füllte sich dann für lange Zeit mit Streitereien, Zickereien, Informationsaustausch, Besserwissereien, gegenseitigen Vorwürfen und üblichem Schwesternkram. Ein Wendepunkt in dieser etwas einseitigen Wartezimmergeschichte, stellte der Moment dar, als Laura, die Jüngere der beiden, erzählte, dass ihr Mann, also jener den sie ihrer Schwester ausgespannt hatte, sie schlägt. Dies änderte auf einen Schlag die Sicht von Anu auf Laura. Laura ist Sozialarbeiterin und versuchte die Situation ihrer Schwester sofort zu lösen und ihr zu helfen. Es drehte sich dann alles darum, dass Laura bleiben und nicht zu ihrem Mann zurückkehren sollte. Laura ging. Auch das Publikum wirkte etwas geschockt von der unerklärlichen Dummheit Lauras zu einem Sie schlagenden Mann zurückzukehren und das noch als starke, finnische Frau. Denn jeder weiss, dass die Gleichstellung zwischen Mann und Frau kaum woanders, wie in Finnland so fortgeschritten ist. Laura kam zurück. Das Stück endete damit, dass beide Zeitschriften lesend auf weitere Nachrichten über Mutters Gesundheit warteten.
Alles in allem ein schönes Stück. Sehr gute Schauspielerische Leistung und spannende Themen. Manchmal fehlte etwas Dynamik in der Handlung oder es flachte zu sehr ab bei langen Streitereien.

Gerne hätte ich mich danach mit jemandem in meiner Muttersprache ausgetauscht, bevor ich diesen Text hier auf Deutsch verfasste: Alleine ins Theater zu gehen, macht eben nur halb so viel Spass. Das war mir schon immer klar.

https://www.facebook.com/melkeinkuin

„Haista Vittu“, Pertti Kurikan Nimipäivät

Gesehen, Senf

Der Film The Punk Syndrome (finnischer Titel: Kovasikajuttu) zeigt den Alltag der finnischen Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät (deutsch P. K’s Namenstag). Die vier Mitglieder der Band haben Behinderungen und leben teils in betreuten Wohnheimen oder alleine. Der Dokumentarfilm reflektiert den Probenprozess der Band: die Probezeiten werden streng eingehalten. Untereinander kann es da auch mal zu Knatsch kommen, da die Bandmitglieder sehr viel Zeit miteinander verbringen. Die Songtexte schreiben sie meist selber, wobei auch Tagebucheinträge herhalten müssen. Die Regisseure Jukka Kärkkäinen und Jani-Petteri Passi ermöglichen mit dem Film einen privaten Einblick in das Leben, Denken und Fühlen der vier Bandmitglieder Sami, Pertti, Kari und Toni. Wie werden Kinder gemacht? und Warum müssen wir in Wohnheimen leben? sind Fragen, die die Bandmitglieder beschäftigen. Es wird geliebt, verlobt, geweint, gelacht, geraucht und vor allem viel geflucht. Echte Finnen eben. Der Film ist eine Dokumentation über eine Band wie jede andere, nur dass die Mitglieder mit etwas anderen Bedingungen leben. Als Zuschauer erwischt man sich vielleicht dabei, mitleidig „Ooh“ oder „Jöö“ zu gewissen Aktionen der Bandmitglieder zu sagen, doch bei aller Sympathie gegenüber den vier Herren, bin ich der Meinung, dass man sie nicht von anderen unterscheiden sollte und genau dies zu erreichen, versucht der Film. In dieser Manier agiert auch Kalle, der Betreuer und Manager der Band. Er zeigt uns, dass hinter dem Bandprojekt harte Arbeit steckt und animiert die Herren immer wieder von neuem sich aufzuraffen oder zu konzentrieren. Und was dabei raus kommt, kann meines Erachtens qualitativ durchaus mit aktuellen Chartstürmern mithalten, sofern man Punkmusik mag. Deshalb scheint es auch nicht abwegig die Band Pertti Kurikan Nimipäivät als Finnlands Vertretung an die Eurovision Songcontests zu schicken. Der Wettbewerb selber, mag ein andermal diskutiert sein, doch dass die Band weiterhin grossen Erfolg haben wird, steht heute schon fest!

Der Siegersong:

„Ich hasse die Welt“

King Kongs Töchter

Gesehen, Senf

Zur Zeit zeigt das Theater Stans King Kongs Töchter von Theresia Walser. Regie führte Volker Hesse, der aus dem Freilichttheater bekannt ist. Zum Theaterabend: Drei Altenpflegerinnen, immer heiss auf Sex, führen das Altersheim, in dem elf Bewohner und Bewohnerinnen leben. Alle elf leiden an typischem Altersgebrechen wie: Zittern, Blasenschwäche, Vergesslichkeit, Müdigkeit und an vielem mehr. Die Alten werden teilweise wirklich von älteren Menschen gespielt. Alles beginnt mit dem 80. Geburtstag einer Bewohnerin, es artet aus. Die Pflegerinnen sind mit den Bewohnern und Bewohnerinnen meist total überfordert und flüchten sich in erotische Gedanken und in Wodka. Immer wieder erscheinen die Alten nicht in Begleitung der Pflegerinnen, wobei sie über Liebe, Sex, Familie, Gott und die Welt sprechen. Das Stück behandelt die verschiedenen Symptome des Älterwerdens, wobei schwarzer Humor eine grosse Rolle spielt. Das Thema eckt an. Alt werden, alt sein ist heute aktuell wie selten zuvor: Zu wenig Betten, Überalterung der Bevölkerung und zu wenig Pflegepersonal sind stets Diskussionsstoffe. Hesse spielt damit, reizt die Gemüter: Darf man das Alter so auf die Schippe nehmen, wie es die Inszenierung in Stans tut? Darf der Beruf der Pflegerin so in den Dreck gezogen werden? Die Inszenierung ist nicht jedermanns Sache. Eine gesunde Portion Humor ist jedenfalls von Nöten. Man sollte es nicht allzu ernst und persönlich nehmen, aber doch für wahr und als mögliches Abbild einer verdrehten, alternden Gesellschaft sehen.

http://www.theaterstans.ch/dynamic/page.asp?seiid=101