Olipa kerran minä

Gesehen

Gesehen am 11.1.16 im Suomen Kansallisteatteri , Pieni näyttämo. (finnisches Nationaltheater, kleine Bühne). Regie: Milja Sarkola

Olipa kerran minä bedeutet so viel wie: es war einmal ich.
Im Stück erzählt die angebliche „Autorin“ des Stücks, wie und worüber sie es schrieb. Es handelt von Narzissmus.
Im hinteren Teil der Bühne sind Sitze aufgestellt, welche jenen des Zuschauersaals nachempfunden sind. Dort sitzen die Techniker und die Autorin und blicken die Zuschauer an, als ob sie Eintritt bezahlt hätten, um uns zu zuschauen.
Später wird im Stück diskutiert, was im zeitgenössischen Theater dem Zuschauer noch geboten werden kann und muss, schliesslich zahlt er Eintritt und möchte etwas sehen.
Hans-Thies Lehmann würde vom Einbruch des Realen im Postdramatischen Theater sprechen: eine Freundin der Autorin betritt die Bühne, weil sie sich treffen wollten. Sehr lustig und überzeugend spielt sie die Überraschte über die Anwesenheit des Publikums und „spielt“ dann halt mit. Beide sitzen links auf der Bühne und schauen Szenen zu, welche in beweglichen, wohnungsmässig eingerichteten Glaskasten spielen. Es sind zwei Paare, welche ihre Beziehungskrisen austragen, Schwangerschaften durchmachen und über vieles mehr streiten. Je ein Teil der Partnerschaft hat einen Knacks. Der eine ist unglaublich eifersüchtig, erwartete von seiner kranken, schwangeren Frau, dass sie im Krankenhaus für ihn Dessous trägt, weil sie schliesslich seine Frau sei und er jetzt Sex möchte. In der anderen Partnerschaft ist die Frau die mit einem Knacks, sie lässt ihren Freund nicht schlafen, legt ihm falsche Wörter in den Mund und ist sehr jähzornig.
Als Zuschauer entwickelt man eine starke Antipathie gegenüber diesen beiden Spinnern und hat zugleich Mitleid mit den beiden „normalen“ Partnern.
Die Techniker sind jeweils zu sehen, wenn sie die Kasten wieder zurück fahren oder Kabel verlegen.
Die Freundin und die Autorin diskutieren über den Inhalt dieser Szenen und über die eigenen Leben. Die Autorin wolle über Narzissmus ein Stück schreiben, habe aber selber zu wenig Erfahrungen damit etc. Es ist wie eine Probesituation des Stücks.

Im zweiten Akt ist das Bühnenbild einem Fernsehstudio nachempfunden. Es werden Interviews mit bekannten skandinavischen Figuren geführt. Leider taucht auch Breivik am Ende auf, was ich etwas zu viel des Guten fand. Er beschuldigt die Autorin dessen, selber ein zu langweilige Leben zu haben und sie schreibe deshalb Szenen narzisstischer Persönlichkeiten. Zwei Techniker filmen diese Gespräche und die Aufnahmen sind immer gleichzeitig auf Bildschirmen zu sehen.
Letztendlich hat die Autorin alle erschossen und steht alleine da.

Die kleine Bühne des finnischen Nationaltheaters ist nicht gerade schön aber funktional. Ich hatte sehr Freude daran, einmal ein zeitgenössisches finnisches Stück zu sehen, denn sonst kenne ich nur die Freilichtstücke im Sommer, alle handeln sie immer vom Krieg.

OLIPA KERRAN MINÄ