J18–20

Text

J18

Heiss

Auf dem Markt ist noch was los

Ferienstimmung

Einen heben

 

Man geht zu Fuss

Massen strömen

Belebter Park

Sonnenuntergang und Wünsche

 

„Dass ihr ja nicht ertrinkt!“

Die Boote treiben schon

Auch an diesem Abend sammeln sie Pfanddosen

 

Heiss

 

Schreiten

Wie Elfen, alle sind so schön

Sich zuprosten

Anstossen

Anstehen

 

Durch den Wald

In die Stadt

Pink, kitschig

 

Es wird Morgen

 

Ein Ort ist noch geöffnet

Dort sind alle

Ohne Kante geht’s nicht

 

Citygrill

Heiss

 

 

J19

Freude auf Erden

 

Festliche Stimmung

Alle beisammen

Wie Weihnachten im Sommer

– nur ohne Geschenke und doppelt so viel Alkohol

 

Man ist vorbereitet

Kapuzen vermummen

Lange Hosen verdecken

Fuchteln der Hände,

als ob man in den Krieg zöge

 

Crocs

 

Hier grüssen, dort vorstellen

Jenkka, Polka

Und majestätischer Tango

Das Orchester ist aufgetragen

 

Losgewinne werden noch vom Schiff obenabe gerufen

Branntwein aus Jackeninnentaschen serviert bekommen

Unter Birken stehen und schlucken

 

Knistern des Feuers

Prasseln des Regens

Surren der Mücken

Kratzen der Nägel

Rufen der Eulen

Öffnen der Dosen

 

Plötzlich ist der Himmel rot

Alles eingefärbt

Nur der Fluss bleibt schwarz

 

Fledermäuse die kreisen

Nach-Mitternachtssauna

Zeit vergeht, das war der Sommer

 

Friede auf Erden

 

J20

Der Tod ist allgegenwärtig

Zucken – starre, glasige Augen

Auch die Fische

 

Fette Mücken

An die Wände geklatscht

 

Fette Bäuche

Aus dem Bett geholt

 

Kein Schlaf

Das Surren in den Ohren

Das Gift in der Lunge

 

Stärkegrad: Kunstsoffzerfressend

 

Erinnerungen

Vorfreude

Danke

J15-17

Text

J15

Schlaflose Nächte,

wenn die Sonne erbarmungslos in die Fresse strahlt

schwitzen, sich wälzen

 

Aufstehen

Fühlen wie die Stadt erwacht

 

Einige habens noch nicht begriffen, 22° C – Handschuhe und Mütze

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

 

Um den Tag ausklingen zu lassen,

spielt man Frisbee

 

Oder fischt

meditativ

 

Der Mann freut sich immer sehr, wenn ich ihm meine Pfand-Dose überlasse

Das Erbe

 

Man spricht über Soldiers of Odin, WTF

Über Perussuomalaiset, WTF

Zieht Vergleiche

Und ist glücklich darüber, auf einer Wellenlänge zu sein

Als ob die Möwen mitlachen würden

 

Montags gings schon rund

Man klammert sich ans Wochenende

 

Hauptsache schwarze Eiscreme im Gesicht und niemand sagt etwas

Der Abendsonne mit müder Visage zurückstrahlen – nimm das.

 

J16

S’fischelet

Alles stinkt nach Fisch

Tag versaut

Tick-artig werden die Finger an die Nase geführt

Es wird notiert: sie stinken noch immer

 

Bisschen Regen stört uns nicht

Trinken kann man immer

Man telefoniert

Schön, zu acht

 

Die Ferien werden vor dem letzten Arbeitstag schon eingeläutet

Vor den Sommerferien werden die Beine gezuckert

 

Hier gibt’s kein Aperöle – man trinkt

Und dann vielleicht essen

 

Die Terrasse macht um 20:00 zu

Aber für uns

 

Die Zöpfe wehen im Wind

Morgen

Kiddies tragen übergrosse Sonnenbrillen

Kole – Cool

Pizzaduft strömt herüber

Man sagt, dort, dort ist sie fad

 

Opis mit Hipsterrucksäcken

Und ach alles ist ja so toll hier – ja.

 

Man bereitet sich vor

Das grosse Fest

Einkäufe, Alko

Wer führt noch die traditionellen Bräuche durch?

 

Trinken.

 

J17

Komm zurück, jetzt.

Ein letztes Mal lieben

Kosen, berühren

 

Entkleiden

 

Du rochst so gut

Du küsstest so gut

Du hieltst so gut

 

Zu dir oder zu mir?

Spüren, Fühlen

Kaum sprechen

 

Sich in den Schlaf drücken

Streichen, träumen

 

Ankleiden

 

Uns bleibt nicht mehr viel.

Komm zurück.

J9-14

Reisen, Text

 

J9

Camouflage ist hier noch geil

 

„Sind si dänn en richtigi?“

Ja, was bin ich denn nun?

Schweizerin in Finnland. Finnin, Rückkehrerin?

 

Sein.

 

J10

Schönheit, pur

Blütenstaub tanzt im Sonnenlicht

Sanfte Regentropfen

Was für eine Sicht

 

Glitzer liegt in der Luft

Tief blau schwappt ans Ufer

Leichte Musik im Hintergrund

Das ist Sommer, Regen und Sonne

 

Blumenduft und Ruderschläge

Schiefe Birken

Grashalme, die an den Waden kitzeln

Über die Wangen streicht der Wind

Hei

 

Natur und Stadt im Gleichgewicht

Suomi

Und dann noch doppelter Regenbogen

Tropfen auf den Augenliedern

Welch ein Glück

Grübchen und Kaffee

Was für ein Leben

Leichtigkeit

Sinnlichkeit

Sitzen bleiben.

 

J11

Wer versucht zu lesen,

hat das Lallen der anderen im Ohr

 

Zigaretten wirft man aus dem fahrenden LKW

Manchmal auch eine leere Glasflasche,

die am Boden zerschellt

 

Werbung wird Abends noch von Menschen mit Migrationshintergrund ausgetragen

Man geht walken, alle! Schlechtes Gewissen ob all dem sportlichen Treiben.

Schwarze Leggings, pinke Laufschuhe.

 

Drinnen sitzen zwei Mädchen,

wie aus dem letzten Jahrhundert

vor ihnen schlechter Wein, blaue Kulleraugen, grau

lüsterner Blick

draussen strahlt die Luft

 

es gibt die coolen Alten, in kurzen Blümchenkleidern und schicker Frisur

und die alten Alten, die zu Hause backen und die Füsse aus den Pantoffeln quellen haben

 

die Russen haben Rostkarren

die Finnen haben Getuntes

 

dort 2€, hier 4€

in jedem Fall Rinde vor dem Gesicht

und die nebenan schreibt auch Gedichte

der, der vor ihr sitzt, ist begeistert, ist ihr leben doch besser, als seins

 

vittu, vittu, vittu

einer sagt „das Leben ist vorbei“

alle stimmen ein, im Chor und nicken

 

in Gummistiefeln in die Bar

das Skateboard zwischen die Knie geklemmt

 

er spricht über Evolution und schaut auf die Uhr

Nicken, Lächeln

„die 20 Frauen die auf dem Eis drehen und Bilder machen…“

 

ist es nicht viel schöner bei Bodenheizung zu scheissen, als bei zugefrorener WC-Tür?

 

Irgendwelche Freunde… die haben… Jaja.

 

Mundharmonika, immer wieder das gleiche musische Thema, Blues oder Jazz.

 

Aha.

 

J12

Einmal aufblicken, Sonne, Wärme

En andermal aufblicken – wie eine schwarze Wand rollen die Wolken über uns heran

Leute stehen auf, verschwinden, grosse Angst vor der Nässe

Die Vögle spielen verrückt

Fahnen flattern im Wind

Kriegsstimmung

Endzeitstimmung

Bewegung und dann Stillstand

 

Pfannkuchen und Kaffeeduft

Grelle T-shirts, lahme Massen

 

Fahrrad fahren ist gefährlich

Einfache Karte

Gittersystem

 

Änetm Fluss

Bahnhof und Kultur

Freiwilligen Arbeit

Männer in Röcken und Bart

 

Hier bleibe ich.

 

Wohlfühlen,

Wohnzimmer

Willkommen sein.

Weiter so.

 

J13

Bar rein, Jacke aus, 2€.

Heisse Türsteher, so echt.

Sie wirft das Glas um, schriet „ich wars.“

 

Und die Deutschen: „dat is ja ga cheine spilunke hea“,

„ne dat is ebn finnisch hea“

fragt nach Stuhl.

Ich so: „Nimm ihn nur“

Er so: „riiiliiii – bat äj cän sit hea wis juu?“

Ich so: …

 

Man hilft sich in die Jacken

Karohemde und Nietengürtel

 

Sie sitzt am Spielautomaten, allein

Der Gewinn wird gleich wieder verprasst

Er trägt Lilabeige karierte, mit türkisen Spitzen, Socken

– in Sandalen

 

alte Herren versuchen sich in Dancemoves

für die EM hat hier kaum jemand einen Blick übrig

hinter der Bar stehen ja auch starke Rockerbräute

 

man schwankt, kippt, fasst sich, trinkt weiter

halb 10, zu, bis oben.

Sonntags gibt’s dann alles ums dreifache billiger

Man hat ja sonst nichts zu tun

 

Auf versteckte Gesangtalente hofft man lange

Stoisch starren sie auf die schnell voranschreitenden Songzeilen,

immer ein bisschen im Rückstand

wer hier singt, hat nichts mehr zu verlieren,

wer hier tanzt, hat 0 Hemmungen

 

Hauptsacke der Kopf nickt zu Tangoballaden in Rockmanier mit.

 

Ü40, keine Frage!

 

J14

Sie war ein Baum

Er war ein Fluss

Ich war ein Vogel

 

Wenn alte Herren fragen, warum man ist.

 

Die Guten sind verlobt.

 

Umfallen

Blutende Knie

 

Ich war ein Vogel

Gegen die Scheibe geflogen.

J7-8

Reisen, Text

J7

Leitungswasser, runde Pos und Jungs in Fracks

Hier hört man gerne Rockmusik

Motherfucker Rap misst sich

Teures Bier und Hochzeitfeierlichkeiten

 

Ach, man sieht die Leute eh nie wieder. Oder doch?

Sehen alle gleich aus. Oder doch nicht?

Stereotypen

 

Anniskelualue pääty

 

Hier werden betrunkene DJ’s torkelnd aus dem Club gezerrt

Türsteher sind nett

 

Spucke im Gesicht und Jungs die buhlen

Die gleichen Menschen seit 23 Uhr

Geschminkte Gesichter, schwarz auf weiss, verschmiert

Netzwerk, Freunde erkennt man an den Flecken auf den Wangen

 

Salmari und verwirrte Blicke.

Ein lächeln, nicht mehr.

 

Prost

 

J8

4 Uhr, als wärs Nachmittag

sich stützen, umherblicken

abwarten

 

die schlechte Musik tönt noch in den Ohren

Emoboys in aufstrebenden Eletropop Bands

 

Walk of shame

Betrieb auf dem Markplatz

Wieder die gleichen Gesichter

Man trinkt noch Bier

müde

 

Cowboystiefel und Rastas

Man sieht sich.

J4-6

Reisen, Text

J4

In den Socken im Laden

Über den Boden rutschen

Sich heimisch fühlen

 

– in der Bibliothek darf man essen,

Kaffee trinken.

Kinder schreien, niemand beklagt sich.

 

Locker. Leicht. Einfach.

 

J5

Wir fahren durch die grüne Moorlandschaft

Die Sonne im Rücken, Wolken voran

Nightwish klingt ab der CD

Und das Salmiakkieis zwischen den Fingern.

 

Hier fährt man keine Mofas,

Aber 50 km/h Autos.

Endlose Strassen, Kurven und Hügel

 

Grosse Regentropfen

Wie Kristalle, fallen von Birkenästen.

 

– man starrt aus dem Fenster

wer war das? Wer fährt da?

Eine kleine Aufregung

Und dann wieder allein.

 

Das Bier ist kalt , die Sauna heiss

Die Zeit vergessen, kein Dämmern

Kein Netz, Moskitonetzte nur

Schwarzes, tiefes Wasser.

 

Und der Gedanke an dich.

 

J6

„And here we have the Asphaltroad

And here the forest

Oh, and you see, over there, one cyclist.“

 

Wir zählen die entgegenkommenden Autos

1, 2.

 

Suburban nennt man hier die Einfamilienhäuser

 

Proviant im Gepäck

 

Was, du hast keinen TV zu Hause?

 

Wir kommen wieder, danke.

 

J1–3

Text

J1

Sieben Grad, steiler Wind

(man sieht auch Handschuhe)

Sommer in Finnland

Sonntag, so richtig

Montage vieles noch zu

 

Abends dann doch in der Kneipe

Musik der 80er

Frauengruppen, kreischen

Singles die knutschen, torkeln, zu wem gehen sie wohl?

 

70-jährige Herren

setzt sich zu uns

Eiskochey und er sei ja kein Rassist

Muss noch Schnaps kaufen, um die nächste Nacht zu überstehen

 

Der hinter der Bar rennt, als wär’s Wochenende

Viele Geschichten, die gleichen Gebäude

Im Hafen tanzt man und

das Schiff fährt nur mit mindestens 10 Passagieren

 

Flyer für die Pilzsammel-WM

Kaffee supplement und kein Lächeln

Halb elf, Nachts – man trägt Sonnenbrille

Morgen raus, 7 h Arbeitstage

 

Nordkarelien, nahe der Grenze.

 

J2

Man beginnt mit Kaffee

Vor Feierabend hatte man schon 7

Dann essen im Restaurant, Nachts ein Club

 

Wo man in Joensuu denn den Spass fände – ach heute nicht, sie ist gerade in der Nachbarsstadt

 

Möwen, ohne Meer

Mücken ohne Blut

Hier will man seine Asche verstreut sehen

 

Dieses Jahr war Sommer am letzten Samstag zwischen 17 und 18 Uhr in Rauma

 

Dicke Menschen, farbige Haare, Socken in Sandalen

Und ab und zu ein Goth

– und Russen

 

man fischt

nach Sonnenschein

Liebe

und Pfandflaschen.

 

J3

Sibelius kam um die Ecke

Niemand hört zu.

 

Mit Filzpantoffeln rennt man über den Hof

Es hat gestürmt

Spät kommt die Sonne

– geht nie unter.

 

Kleiner Samstag

Um 21 Uhr PoprockJam

Einsame Männer sitzen an der Bar

Dazwischen immer ein freier Hocker

Lederhüte, Dauerwellen und Sonnenbrillen

 

Und der neben mir, der schläft

Jungs die alleine Zeitung lesen

50+ Girls mit Schwänzchen

 

Die Band spielt

„extra melancholisch für das finnische Saufvolk“ tönts

Junges Paar versucht sich am Spielautomaten

Altes Paar schwelgt in Erinnerungen

Barkeeper hat’s nicht nötig.

 

Mittwochs in Nordkarelien. Zeitlos.