Daniel Sägesser in seinem Stöckli

Keller

«Bürger der Republik Finnland» – eine «Novelliade»des grossen finnlandschwedischen Modernisten Elmer Diktonius: Der Langenthaler BaltArt-Verlag gibt in seiner Baltischen Bibliothek Bücher aus dem Ostseeraum heraus. Erstmals hat er nun ein Werk aus Finnland veröffentlicht. Der teilweise in Tallinn lebende Berner Journalist, Historiker und Germanist Daniel Sägesser hat die Novellensammlung aus dem schwedischen Original übersetzt. Er stellte das Buch vor und las daraus auf Deutsch. Die kurzen Textpassagen aus dem schwedischen Original «Medborgare i republiken Finland» las der Berner Historiker Markus Althaus.

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Daniel Sägesser, Foto: Hans Mathys

http://www.baltart.ch

 

Eine Sommernacht

Gesehen

Eine Sommernacht von David Greig und Gordon Mcintyre inszeniert von Patricia Benecke, gesehen am 17.11 in der Vidmar 2, Konzert Theater Bern.

Ein überzeugender Schauspieler und eine überzeugende Schauspielerin verkörpern die beiden Hauptfiguren, die 30 Jahre alt sind und durch das Leben stolpern. Sie berichten über ihr erstes Treffen, den One Night Stand, der keiner bleibt, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und die gemeinsame Zukunft, vielleicht. Als Zuschauer hat man Empathie für die Geschichten der beiden. Etwas Furcht vor den Dreissigern kam in mir aber doch auf. Was wird noch kommen? War es das schon? Kinder, Ehe, Job? Geht Party noch etc.? Fragen, die sich die zwei Protagonisten auch stellen, während sie torkelnd in die im Bühnenbild integrierten Wasserpfützen treten und fallen.

http://www.konzerttheaterbern.ch/schauspiel/uebersicht/veranstaltung/-05bec9ac8b/?month=201509&date=1442959200

Das war die Premiere

Schauspiel, Vergangen

Fulminante «Lööli-Show» begeistert

LangenthalDas Theater Überland zeigte im Stadttheater Langenthal unter der Regie von Reto Lang die Uraufführung der Satire «Lööli-Show». Die Aufführung war ein Erfolg: Das Publikum liess sich von Anfang bis Ende davon mitreissen.

Der Dummkopf in der «Lööli-Show»: Der Komiker Freddy Müller, gespielt von Frank Demenga, erhält die Chance, in einer Hochglanz-TV-Show mitzuspielen. Hier im Gespräch mit Karin Wirthner, die seine Agentin spielt.

Der Dummkopf in der «Lööli-Show»: Der Komiker Freddy Müller, gespielt von Frank Demenga, erhält die Chance, in einer Hochglanz-TV-Show mitzuspielen. Hier im Gespräch mit Karin Wirthner, die seine Agentin spielt. Bild: Daniel Fuchs

Der Komiker Freddy Müller hat mit seinen Auftritten keinen Erfolg mehr, da niemand seinen skurrilen Humor versteht. Da erhält er die Gelegenheit, als «Lööli», sprich Dummkopf, in einer Hochglanz-TV-Show mitzuwirken. Er soll einen Vorgestrigen mimen, der keine Ahnung von moderner Technik, sprich Fernseher und PC, hat. Doch niemand hat mit seiner anarchistischen Ader gerechnet.

Echte Fernsehshow

Frank Demenga, Autor des Stücks und Darsteller des Freddy, zeigt im ersten Teil der Satire «Lööli-Show», die im Stadttheater uraufgeführt wird, wie Freddy zu seinem Engagement kommt. Für die Produzenten der TV-Show, die er mit seinen komischen Einlagen auflockern soll, ist er ein Hampelmann. Niemand nimmt ihn ernst.

Im zweiten Teil nimmt das Stück Fahrt auf. Es zeigt eine echte TV-Show rund um das Thema «Verrückte Welt der Vernetzung». Skurrile Wissenschaftler kreuzen die Klingen. Selbst Christoph Blocher tritt als martialische Frauenperson auf.

Zwischen den Diskussionen gibt es Lichtshows, Liveacts mit einer Sängerin, einer Geigerin, einem singenden Moderator und Tänzerinnen. Und eben Freddys komische Einlagen.

Marionetten der Technik

Regisseur Reto Lang gelingt eine fulminante Show, in der in schneller Abfolge ein Act in den anderen übergeht. Bald vergisst man, dass man im Theater und nicht vor dem Fernseher sitzt. Für die Liveauftritte hat Lang die Sängerin Yvonne Baumer gewonnen, die mit ihrer Stimme die Herzen berührt.

Die junge Rumänin Julia Andreea Smeu ist eine wahre Teufelsgeigerin und fasziniert nicht nur mit ihrem Spiel, sondern auch mit ihrer Schönheit das Publikum. Vier junge Tänzerinnen runden die Showeinlagen ab.

Wer aber nun glaubt, es ginge in dem Theaterstück nur um eine oberflächliche TV-Show, täuscht sich gewaltig. Frank Demenga zeigt uns in Überspitzung den Wandel unserer Gesellschaft in ein digitales Zeitalter, in dem wir nur noch Marionetten der Technik sind. Entsprechend unsympathisch kommen die Befürworter der total vernetzten Welt daher, umso liebenswerter dafür wirkt der angeblich dumme Freddy.

Tosender Applaus

Was die drei Schauspieler und die zwei Schauspielerinnen in verschiedenen Rollen zeigen, ist umwerfend. Da ist Frank Demenga als Freddy, der in der Show zum Advocatus Diaboli mutiert. Allein schon die Facetten seiner Mimik, aber auch seine Sprachgewandtheit faszinieren.

Als seine «Beschützerin» zeigt Karin Wirthner die eiskalte Managerin, aber auch die verletzliche, im Grunde in Freddy Verliebte. In pinkfarbenem Lackkleid und mit blonder Perücke persifliert sie die Rolle der Assistentin des Moderators mit einem permanent zuckersüssen Lächeln.

Die Wandlungsfähigkeit von Marlise Fischer ist frappant. Bei jedem Auftritt ist sie eine andere Persönlichkeit, ob forsche Wissenschaftlerin oder demente Frau. Christian Intorp gibt den Moderator aalglatt und arrogant, ein wahrer Kotzbrocken, und überzeugt auch als Sänger. Kaspar Weiss schlüpft ebenfalls in verschiedene Rollen.

Bald spielt er überzeugend den unterwürfigen Assistenten der Produzentin, dann wieder einen verschrobenen Wissenschaftler.

Brigitte Wolf kleidet die Showcrew in Lack und betont damit das Künstliche dieser Welt. Die vielen Rollenwechsel unterstreicht sie mit einem entsprechenden Kostüm. Am Ende der «Lööli-Show» erntet das Ensemble tosenden Applaus. Wer die Premiere verpasst hat, kann das Stück am 18.Februar sehen, wenn es nochmals gegeben wird. (Berner Zeitung, 16.11.15)

Hamlet

Gesehen

Für eine Theaterwissenschaftsstudentin ist es ein Muss mindestens eine Hamletinszenierung gesehen zu haben. Meine Erste sah ich am 30.10 im Stadttheater Langenthal. Die Truppe Neues Globe Theater aus Potsdam zeigte ihre Interpretation des Hamletstoffs von Shakespeare.
Bemerkenswert ist, dass in dieser Hamletinszenierung nur Männer spielen, das heisst Ophelia und die Königin werden von Männern dargestellt. Dies mag fürs Erste etwas verstören und lächerlich wirken, doch man gewöhnt sich schnell daran. Zudem überzeugen die Schauspieler sehr in den weiblichen Rollen. Eine weitere historische Umsetzung, welche die Aufführungssituation dem früheren Globe Theatre nahe bringen sollte, ist das Anlassen des Saallichts im Theater. Man kann jede Reaktion der Zuschauenden mitverfolgen und die Schauspieler haben eine ganz andere Präsenz, als wenn sie die Zuschauenden nicht sehen würden.
Hamlet wurde in dieser Inszenierung als frecher, etwas gruftihafter, kiffender Mann dargestellt. Auf der einen Seite anziehend und interessant und auf der anderen eher unsympathisch und kindlich. Diese Charaktermischung der Figur hatte ich nicht erwartet, doch sie passte gut in das Gesamtbild der restlichen Figuren. Übertriebene Spielweise und klassische Fechtszenen wechselten sich ab.

Absolut empfehlenswert für alle Shakespeare Fans und solche die es werden würden nach dem Besuch einer Aufführung der Neues Globe Theater Truppe.

http://www.neuesglobetheater.de

Jungfrau von Orleans

Gesehen

Am 27.10 besuchte ich im Pfauen in Zürich Stephan Kimmings Inszenierung Die Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller. Die Inszenierung begann mit einer Videoaufnahme von Johanna, der Hauptfigur, welche auf weisse, runter hängende Stoffe projiziert wurde. Dann wurde Johanna live gefilmt, was auch wiederum auf die Stoffe projiziert wurde. Dieses Mittel erinnert stark an die Faust Inszenierung vergangener Saison am Konzert Theater Bern. Auch dort wurde live auf der Bühne direkt das Gesicht der Schauspieler und Schauspielerinnen gefilmt. So entstand eine leicht verschobene Parallelwelt zur Echtzeit des Geschehens. Dieses Mittel schien mir bei Die Jungfrau von Orleans nicht sehr geschickt gewählt, denn es wirkte wie ein rasch entschiedener Versuch in die sonst eher lahme Inszenierung Dynamik zu bringen. Die Videosequenzen stellten aber neben den szenischen Teilen, die ohne Kamera liefen, eine agil wirkende Kontinuität dar und wurden konsequent als Mittel bis zum Schluss eingesetzt, was wiederum für die Wahl des Filmens spricht. Gerade die Szenen, welche auf dem Schlachtfeld spielen, konnten durch verwackelte Videosequenzen gut dargestellt werden.
Starr, regungslos und unnahbar sind die Figuren, die ihren Text herunterleiern. Johanna überzeugte wenig. Sie wirkte mehr, wie ein armes, schmutziges Waisenkind, als wie eine Heldin. Wahrscheinlich leidet das Spiel am bedeutungsschwangeren Text, der mit einem aktuelle Themen aufgreifenden Text von Peter Stamm ergänzt wurde. Ein nicht zu schlecht gelungener Versuch das Zeitgeschehen in den Stoff um Jean D’Arc einzuweben.
Das Bühnenbild spiegelt mit seinen wallenden, weissen Stoffen, in verschiedene Linien gehängt, eine Parallelwelt wieder, welche bereits in den Filmsequenzen zu spüren sein könnte. Wo liegt diese Parallelwelt, was will sie dem Zuschauer zeigen? Die Antworten auf diese Fragen habe ich nicht. Ich verliess die Aufführung mit gemischten Gefühlen. Es bereitete mir Mühe der ruhigen Schauspielweise zuzusehen, ständig wartete ich auf einen Knall, auf etwas, was heraussticht, doch es kam nicht.

Roman Guntli im Sägesser-Stöckli

Keller

Roman Guntli zeigte am Wochenende vom 6. und 7. November seine Fotografien. Die Sujets findet er in seinem Freundeskreis, im Sport und auf Reisen. Ergänzt wurde die Ausstellung am Freitag durch Gitarre und Gesang von Matthias Lahoda und seinem Spielpartner. Ausstellung und Konzert fanden beim Publikum gleichermassen Gefallen und der Keller füllte sich rasch.

http://www.romanguntli.ch

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Fotos: Roman Guntli/Saima Sägesser

Lööli-Show, eine TV-Satire von Frank Demenga

Schauspiel, Vergangen

Wenn in Langenthal der Nebel zum Alltag wird und die Bäume kahl werden, neigen sich im Stadttheater die Proben zur Lööli-Show in ihrer heissesten Phase auch schon bald dem Ende zu. Das Ergebnis wird am 14. November um 20:00 zur Uraufführung gebracht.
Kommt und seht, was der Lööli mit seiner Gehilfin anstellt und was uns kluge Köpfe aus der Vernetzungswelt berichten.

Lööli-Show_Flyer

Schauspiel: Frank Demenga, Karin Wirthner, Christian Intorp, Marlise Fischer, Kaspar Weiss
Gesang: Yvonne Baumer
Solo-Violine: Iulia Andreea Smeu

Tanz (alternierend): Noëmi «Bobby» Lutz, Melina Bolter, Jill Bütikofer, Noëlle Hutmacher, Cinzia Michetti, Mara Scherer, Noëlle Sutter, Michelle Stöckli

Kreativteam: Reto Lang, Volker Dübener, Brigitte Wolf, Monika Malagoli Saima Sägesser, Michael Grob, Dominik Lehmann Flury

Uraufführung: 14. November 2015 im Stadttheater Langenthal, Reservation: stadttheater@langenthal.ch

weitere Vorstellungen Saison 2015/16:
14. Januar 2016 im Theater am Käfigturm, Bern 15. Januar 2016 im Theater am Käfigturm, Bern 16. Januar 2016 im Theater am Käfigturm, Bern 18. Februar 2016 im Stadttheater, Langenthal 3. April 2016 im theater uri, Altdorf