Federkohl Quiche

Essen

1. Federkohl gewaschen und geschnitten in eine Bratpfanne geben. Etwas Olivenöl drüber träufeln und mit 2 dl Bouillon aufkochen. Federkohl ca. 20 min im Dampf garen lassen.
2. 1 kleine, scharfe, orange Peperoncinischote ohne Kerne in Stücke schneiden. Dasselbe mit 1 Handvoll frischem Estragon und 1 Handvoll frischem Dill.
3. Sobald Federkohl gar ist und sich kein Wasser mehr in der Pfanne befindet, Kräuter und Peproncini, sowie italienisches Knoblauchgewürz beigeben. Kurz anbraten lassen.
4. Quicheform mit Kuchenteig auslegen. Boden des Teigs mit einer Gabel mehrmals einstechen und mit Federkohl füllen.
5. 6 halbe Artischockenherzen aus dem Glas auf den Federkohl geben und das Ganze mit gerissenem Mozzarella bedecken.
6. Bei 220° im Umluftofen ca. 25 min backen.

Gott des Gemetzels

Gesehen, Senf

Am Samstagabend sah ich im Langenthaler Stadttheater ein Gastspiel des Theaterensembles Theater Thearte. Sie zeigten ihre Adaption des Stücks Gott des Gemetzels der französischen Autorin Yasmina Reza. Die Autorin ist bekannt für das Stück Kunst, welches unter anderem mein Lieblingstheaterstück ist und für eben besagtes Stück Gott des Gemetzels, welches auch schon von Roman Polanski verfilmt wurde. Theater Thearte zeigt die Inszenierung noch am 27. und 28. März im Théatre de Poche in Biel.
Man merkte als Zuschauer, dass die Bühne des Langenthaler Stadttheaters eine neue Herausforderung und Bedingung für die vier Schauspieler und Schauspielerinnen darstellte. Sie meisterten jedoch den Abend alles in allem gut. Manchmal, wenn die Schauspieler und Schauspielerinnen mit dem Rücken zum Publikum standen, was öfter bewusst vorkam, verstand man sie akustisch nicht sehr gut. Allgemein hätte die Lautstärke der Stimmen etwas höher sein dürfen. Hinzukam, dass alles in Schweizerdialekt gesprochen wurde. Es minderte die Qualität der Aufführung, da vieles, wie es gesagt wurde, im alltäglichen Dialekt nicht so gesagt wird. Leider wirkte es dann zum Teil unnatürlich und eingeübt. Gut fand ich, dass die Alter der Rollen auch ungefähr jenen der Schauspieler und Schauspielerinnen entsprachen.
Das Stück handelt davon, dass ein Schuljunge, einem Anderen mit einem Stock Zähne ausschlägt. Die Eltern treffen sich dann bei jenen des Opfers zu Hause und diskutieren die Sachlage. Doch es bleibt nicht dabei. Es entsteht ein riesiges Chaos. Themen wie Erziehung, Verantwortung, Arbeit, Schuld, Ehe und viele weitere werden in diesem Stück behandelt. Streitereien, Erbrechen, Agressionen, Alkohol und Telefonate bringen eine Struktur in das Geschehen. Das Ganze erzeugt eine besondere Nähe zum Publikum, da die Handlungen in Echtzeit passieren. Als Zuschauer wird man in die Rolle des Voyeurs gezwängt, der einen intimen Einblick in die Abgründe des menschlichen Daseins erhält. Das Stück ist sehr textlastig und manchmal schienen die Handlungen der Figuren etwas unnatürlich, unpassend und krampfhaft. Man versuchte diesen Mikrokosmos eines Wohnzimmers mit Aktivitäten auszugestalten, doch es hätte noch viel mehr Potential in sich getragen.

Empfehlenswert für Menschen in Midlifecrisis‘, Menschen die Kinder zu erziehen versuchen, Menschen die anderen beim Versagen gerne zusehen und für alle jene Menschen, die ein Stückchen echten Lebens auf der Bühne gerne sehen möchten.

http://www.theaterthearte.ch/

Nachruf Hans Erni

Allgemein, Senf

Seine handsignierten, persönlich geschenkten Bilder hingen bei meinen Grosseltern seit ich denken kann an den Wänden. Lange noch im 12 Zimmer-Haus, unten im Wohn -und Essbereich über alten Canapés auf denen ich mich als kleines Mädchen in schicken Kleidern gerne tollte. Ich verstand schon früh die Bedeutung Ernis Werke für meine Grosseltern. Die feinen Linien der Pferde, der Akte und der Tauben prägten sich in meinem Gedächtnis bis heute ein. Nachdem mein Grossvater das Haus verliess, kamen die Ernis natürlich mit in die neue Wohnung. Stets passten sie wie angegossen zu den Möbeln, zu den Gästen und zu den Launen.
Ernis Werk zeichnet sich aus durch Kontrolle, klar gesetzte Striche, etwas Verspieltheit und durch die immer gleichbleibende Farbpalette. Er hatte früh seinen Stil gefunden und blieb dem auch treu. In seinen Figuren zeichnet sich das Leben in allen Facetten ab – Dynamik und Kraft ausstrahlend. So erstaunt es mich auch nicht, das eine Taube Ernis den Grabstein meiner Großmutter schmückt. Stets habe ich sie mit diesen Kunstwerken verbunden und ihre Eleganz darin wiedererkannt.
Solange Erni lebte, klamm in mir ein Hoffnungsschimmer, dass ich nie die Zeit mit meinen Grosseltern vergessen würde. Man sprach immer wieder über Erni und die Freundschaft, die sie zu ihm pflegten. Nun nehme ich auch von ihm Abschied. Die Schweiz hat einen grossartigen Künstler weniger. Seine Bilder verblassen mit der Zeit, wie auch die Erinnerungen an mein Mädchendasein unter seinen Bildern auf dem Canapé bei meinen Grosseltern. Doch solange die Taube auf dem Grabstein noch nicht von Ranken umschlungen und erstickt wurde, wird das Werk Ernis und meine Verbundenheit ihm gegenüber bestehen.

Kartoffel-Karotten Curry

Essen

Wer mein Curry kennt, weiss, dass immer eine gewisse „Schärfe“ dazugehört:

1. 8 kleinere Kartoffeln und 3 Karotten in Stücke schneiden.

2. Gemüse in Wok geben, mit Wasser füllen und kochen. Ein bisschen Gemüsebouillon schadet nicht.

3. Während das Wasser im Gemüse langsam verdampft und aufgesaugt wird, Basmatireis nach Anleitung auf der Packung zubereiten.

4. Sobald alle Flüssigkeit im Wok verschwunden ist, ca. 1 EL rote Currypaste hinzugeben und gut verrühren. Wenn die Paste überall verteilt ist, 2.5 dl Kokosmilch unterrühren. Gut mischen, kurz aufkochen lassen und mit Basmatireis servieren.

Suomi 14

Reisen

Im Sommer 2014 begaben wir uns auf einen Roadtrip in Finnland.

Hafen Helsinki

Hafen Helsinki

Sicht auf Helsinki von Schiff
Sicht auf Helsinki von Schiff

Wir starteten mit drei Nächten in Helsinki. Dort wohnten wir im hippen Quartier Kallio in einer Airbnb Wohnung. Helsinki, allgemein Finnland, ist im Sommer toll.
Während es in der Schweiz nur regnete, lagen wir bei 30° am städtischen Strand.
Helsinki bietet kulturell sehr viel: viele Bars, geschäftiger Markt am Hafen, Suomenlinna (mit der Fähre geht’s rüber auf die Insel wo das Schloss Finnlands steht. Toller Ort zum picknicken, verweilen und etwas aus dem Stadttrubel herauszukommen), Design, Galerien, Essen, Alkohol und vieles mehr. Zu beachten ist aber, dass Finnland und gerade Helsinki keine Billigreiseziele sind. In gewissen Parks mit Cafés kann man schon mal 8€ pro Bier zahlen.

Wir fuhren weiter nach Turku (åbo), um Freundinnen zu besuchen. Mittwochs ist in Finnland Pikku Lauantai, also kleiner Samstag. Man geht raus etwas trinken, tanzen und Donnerstags verkatert zur Arbeit.

Auf Schiffsbar Turku

Auf Schiffsbar Turku

So auch in Turku. Dort sitzt es sich besonders gemütlich auf dem Fluss in einer Schiffsbar und trinkt Lonkero, das typische, alkoholische Mischgetränk. Der Fluss ist in Turku der zentrale Ort für Geschehnisse. Viele Leute spazieren bei schönem Wetter daran entlang und füllen die Cafés. Auch immer praktisch sind sogenannte Ale-Bars. In diesen Baren erhält man Bier für 2-3€.

Rauma

Rauma

Von Turku weiter nach Rauma: Ein wunderschönes, nostalgisches Städtchen, dessen historische Kulisse von alten, getäfelten Holzhäusern in allen Farben gesäumt ist. Auf jeden Fall sehenswert, aber nicht länger als für einen Tag.

Küste Pori

Küste Pori

Am selben Tag fuhren wir weiter nach Pori. Dort beeindruckt, wenn man etwas weiter Richtung Küste fährt, die Aussicht auf Meer. Den Sonnenuntergang kann man sich nirgends schöner vorstellen. Wobei zu beachten ist, dass die Sonne im Sommer nie ganz untergeht.

Kirche Kristiinankaupunki

Kirche Kristiinankaupunki

Weiter nach Kristiinankaupunki, um die schöne alte Ulrika-Eleonore-Kirche aus Holz zu besichtigen. Man sieht richtig wie das Holz lebt, verbogen, krumm und es riecht danach. Nach diesem kurzen Abstecher fuhren wir weiter nach Seinäjoki.

Bevor wir in der Stadt ankamen, assen wir irgendwo auf dem Weg unser Mittagessen, so wie wir es immer taten. Wir kauften in Kristiinankaupunki finnisches, dunkles Brot, Pilzsalat, Streichkäse und Früchte. All das lässt sich besonders gut auf einem Rastplatz, der von Bäumen gesäumt ist, geniessen. Solche Rastplätze gibt es wie Sand am Meer. Meist ist man alleine und kann in Ruhe eine Pause machen und oft auf ruhige Seen hinaus blicken.
In Seinäjoki schlenderten wir etwas herum und tranken Kaffee, wobei wir versuchten einen Übernachtungsplatz zu finden. Alles zu teuer oder ausgebucht. Entnervt und schlecht gelaunt fanden wir dann doch ein schönes Hotel in Ylihärmä, nicht allzu weit weg von Seinäjoki, abgelegen, irgendwo im Wald. In Finnland sind die meisten Unterkünfte mit einer Sauna und einem Grill ausgestattet. Das sollte man jeweils auch nutzen und nach langen Autofahren einfach mal abschalten.

auf dem Boot

auf dem Boot

Am nächsten Tag fuhren wir über Kyyjärvi weiter in Richtung Panka, wo unser nächster Übernachtungsplatz auf uns wartete. Dieses Hotel, von Russen betrieben, bot einen Bootsverleih, den wir schliesslich auch nutzten. In Finnland und nicht selber auf einem Boot gewesen zu sein, geht nicht.

Marktplatz Kuopio

Marktplatz Kuopio

Unser nächstes Ziel hiess Kuopio, Kareliens Hauptstadt. Eine, für finnische Verhältnisse, grössere Stadt. Von Panka dorthin dauerte es etwa 1,5 h. Deshalb hatten wir auch mal einen Tag, an dem wir wirklich nicht viel fahren und nur spazieren, Kaffee trinken und Sonstiges unternehmen konnten. Jede finnische Stadt, ja sogar das kleinste Dorf hat einen zentralen Marktplatz. Im Sommer trifft man sich dort und isst und trinkt an den Buden. Nicht jeder Marktplatz ist besonders oder einzigartig, aber der in Kuopio gehört zu den grössten in Finnland. Nach einer Stärkung besuchten wir das Viktor-Barsokewitsch-Fotografiezentrum, wo man neben aktuellen Ausstellungen auch Fotos des alten Kuopio bestaunen kann.

Hafen Kuopio

Hafen Kuopio

Am Passagierhafen von Kuopio kann man lange, ausgedehnte Spaziergänge unternehmen und sich dann in den Hafenrestaurants den Bauch vollschlagen.

Der für mich bedeutendste Ort steuerten wir nach Kuopio am nächsten Tag an. Möhkö, dort lebt meine Familie. Das ist finnisches Leben pur: Viel Landbesitz, niemand der dich stört, Nachbarn nicht in Sichtweite, rauschende Bäume, fliessender Fluss, Aussensauna, Innensaune, eigener Steg, eigenes Boot, Grillhäuschen, Schuppen, Hundezwinger, Duft von gutem Essen und vielem mehr.

Daheim

Daheim

Hier lässt es sich geniessen und entspannen, das kann aber nach einigen Tagen auch langweilig werden, wenn man sich Anderes, Aktiveres gewöhnt ist. In Möhkö finden sich jeden Sommer hunderte von einheimischen Touristen ein, um die berühmten Freilichttheater Aufführungen zu sehen.
Möhkö liegt 2 km von der russischen Grenze entfernt und ist die östlichste Ortschaft Finnlands. Dort finden sich die erhaltenen Schauplätze des bedeutenden finnischen Winterkriegs, der leider in der Kriegsgeschichte oft vergessen geht. Ilomantsi ist 27 km in Richtung Landesinnere die nächste grössere Ortschaft. Die nächste grosse Stadt und somit Hauptstadt Nordkareliens, ist Joensuu. Rund 50’000 Einwohner zählend, ist Joensuu ein kulturelles und wirtschaftlich wichtiges Zentrum. Schoppen, Kaffee trinken und verweilen gehören dort zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

grösste Holzkirche der Welt

grösste Holzkirche der Welt

Nach drei Nächten Familiendasein, trennten wir uns leider wieder und machten uns auf den Weg in Richtung Süden. Wir machten Halt in Kerimäki, wo die grösste Holzkirche der Welt steht.

Olavinlinna

Olavinlinna

Danach endlich an den Saimaa See, den grössten See Finnlands, einer von mehr als 60’000. Dort liegt beispielsweise Savonlinna, berühmt für die Burg Olavinlinna. Savonlinna lag in Schlachten immer in der Mitte, mal gehörte es zu Schweden, mal zu Finnland, mal zu Russland. Die Besichtigung der Burg kostet Eintritt, doch eine Führung ist, wenn man will, inbegriffen.

Imatra Fälle

Imatra Fälle

Am nächsten Tag fuhren wir nach Imatra wo sich die berühmten Vuoski-Wasserfälle befinden. Lappenranta liegt nicht weit davon entfernt. Diese Stadt ist von der Bedeutung her mit Joensuu vergleichbar. Ein schöner Ort. Mein Lieblingsplatz, wohin ich immer wieder gerne zurückkehre, ist das süsse, nostalgisch eingerichtete Café Kahvila Majurska oben im Festungsviertel.

Helsinki Abend

Helsinki Abend

Bevor wir am nächsten Tag wieder nach Helsinki fuhren, machten wir einen kurzen stopp in Kotka. Ein ruhiges Hafenstädtchen zum verweilen, doch man spürt schon Helsinkis Präsenz und zieht weiter. Nochmals eine Nacht in Finnlands Hauptstadt, dann weiter nach Riga, Lettlands Hauptstadt.

Lasagne

Essen

1. 2 rote Zwiebeln, 1 grosse Karotte, 1 kleinere Stange Lauch in Stücke schneiden und in Sonnenblumenöl anbraten.IMG_0849
2. Eine Knoblauchzehe geschnitten hinzugeben, rühren und 3dl Bouillon hinzugeben.
3. 2 handvoll rote Linsen dem Gemüse beigeben und köcheln lassen. Immer wieder etwas Bouillon beirühren.
4. 4 getrocknete Lorbeerblätter einkochen und frisches Estragon dem Gemüse beigeben.
5. Bouillon beinahe verkochen lassen dann gehackte Tomaten aus 2 Dosen unterrühren. Alles mit Chilipulver, provencale Gewürz, getrocknetem Oregano, Paprikapulver und Pfeffermischung würzen. Alles verrühren. Lorbeerblätter raus nehmen. Abschmecken, bei Bedarf nachwürzen und dann vom Herd nehmen, sobald Mischung nicht mehr sehr flüssig ist.
6. Für Bechamelsauce 50 g Butter in Pfanne schmelzen. Der flüssigen Butter 50g Ruchmehl beigeben und gut und rasch verrühren. Zuletzt 5dl Milch beigeben. Rühren, bis Sauce dick wird.
7. Auflaufform mit Butter einfetten. 1 Schicht getrocknete Lasagneblätter auf Boden der Form legen. Bechamelsauce und Gemüselinsenmischung darüber geben. Diesen Schritt wiederholen, bis die Form voll ist. Als letzten Schritt Bechamelsauce auf Lasagneblätter geben und mit Gemüselinsenmischung dekorieren.
8. Lasagne bei 180° im Umluftofen 50 Minuten backen.

Melkein Kuin Emmerdalessä

Gesehen, Senf

Ich sah mir heute alleine ein finnisches Gastspiel im Theater am Käfigturm in Bern an. Minna Koskela, in meiner zweiten Heimat durchaus bekannt, schrieb und inszenierte das Stück Melkein Kuin Emmerdalessä. Ich freute mich darauf etwas heimatlichen Humor, finnische Klischees und vor allem finnisches Schauspiel zu sehen und zu hören. An der Theaterkasse fragte mich einer, ob ich Mitglied sei, nein ich bin noch nicht Mitglied beim Schweizerischen Verein Freunde Finnlands, dachte ich. Anstelle des Preises von 35.- für Nichtmitglieder, bezahlte ich dann doch nur 20.- als Studentin. Das war nett. Ich kannte niemanden – so müssen sich wohl Touristen in Finnland vorkommen, wenn sie kein einziges Wort verstehen, mit dem Unterschied, dass ich alles verstand und mir trotzdem einsam vorkam.

Also setzte ich mich brav alleine in die zweitvorderste Reihe im Zuschauerraum. Langsam füllte sich der Raum und regelmässig strömten laut quatschende, Wein trinkende, blonde Riesen-Frauen rein. Wovon sich eine genau vor mich setzte. Ich setzte mich dann doch etwas peinlich berührt neben sie in die vorderste Reihe und erklärte ihr, sie sei einfach zu gross. Es stellte sich heraus, dass sich in die vorderste Reihe zu setzen, um dem Stück folgen zu können, doch eine gute Entscheidung war. So hatte ich das Gefühl ganz bei der Sache dabei sein zu können und fühlte mit den später weinenden Schauspielerinnen mit.

Zuerst begrüsste die dickliche Regisseurin das nur finnische Publikum. Währendem sass bereits eine der Schauspielerinnen auf der Bühne und blätterte in einer Zeitschrift. So ging es dann eine Weile, bis eine zweite Frau auf die Bühne trat. Es machte den Anschein, als würden sie sich nicht kennen und wären beide einfach so an diesem undefinierbaren Ort gelandet. Es stellte sich dann heraus, dass sie Schwestern waren, welche sich jahrelang nicht mehr gesprochen hatten, da die Späterhinzugekommene (Laura) der Ersten (Anu) den Freund ausgespannt hatte und nun mit ihm in Tallinn lebte. die Schwestern befanden sich beide in einem Wartezimmer, da die Mutter ins Spital eingeliefert wurde. Das Stück füllte sich dann für lange Zeit mit Streitereien, Zickereien, Informationsaustausch, Besserwissereien, gegenseitigen Vorwürfen und üblichem Schwesternkram. Ein Wendepunkt in dieser etwas einseitigen Wartezimmergeschichte, stellte der Moment dar, als Laura, die Jüngere der beiden, erzählte, dass ihr Mann, also jener den sie ihrer Schwester ausgespannt hatte, sie schlägt. Dies änderte auf einen Schlag die Sicht von Anu auf Laura. Laura ist Sozialarbeiterin und versuchte die Situation ihrer Schwester sofort zu lösen und ihr zu helfen. Es drehte sich dann alles darum, dass Laura bleiben und nicht zu ihrem Mann zurückkehren sollte. Laura ging. Auch das Publikum wirkte etwas geschockt von der unerklärlichen Dummheit Lauras zu einem Sie schlagenden Mann zurückzukehren und das noch als starke, finnische Frau. Denn jeder weiss, dass die Gleichstellung zwischen Mann und Frau kaum woanders, wie in Finnland so fortgeschritten ist. Laura kam zurück. Das Stück endete damit, dass beide Zeitschriften lesend auf weitere Nachrichten über Mutters Gesundheit warteten.
Alles in allem ein schönes Stück. Sehr gute Schauspielerische Leistung und spannende Themen. Manchmal fehlte etwas Dynamik in der Handlung oder es flachte zu sehr ab bei langen Streitereien.

Gerne hätte ich mich danach mit jemandem in meiner Muttersprache ausgetauscht, bevor ich diesen Text hier auf Deutsch verfasste: Alleine ins Theater zu gehen, macht eben nur halb so viel Spass. Das war mir schon immer klar.

https://www.facebook.com/melkeinkuin

Du und der Keller

Programm

Kannst du singen, tanzen, performen, rezitieren, Musik spielen? Schreibst du Texte? Malst und/oder zeichnest du? Machst du Installationen? Fotografierst du? …dann melde dich bei mir und wir organisieren gemeinsam deinen Auftritt im Keller.

Kennst du jemanden den das ansprechen könnte? …sag es weiter.

Kannst du sonst irgendetwas Tolles oder hast du ein besonderes Talent? …melde dich.

 

„Haista Vittu“, Pertti Kurikan Nimipäivät

Gesehen, Senf

Der Film The Punk Syndrome (finnischer Titel: Kovasikajuttu) zeigt den Alltag der finnischen Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät (deutsch P. K’s Namenstag). Die vier Mitglieder der Band haben Behinderungen und leben teils in betreuten Wohnheimen oder alleine. Der Dokumentarfilm reflektiert den Probenprozess der Band: die Probezeiten werden streng eingehalten. Untereinander kann es da auch mal zu Knatsch kommen, da die Bandmitglieder sehr viel Zeit miteinander verbringen. Die Songtexte schreiben sie meist selber, wobei auch Tagebucheinträge herhalten müssen. Die Regisseure Jukka Kärkkäinen und Jani-Petteri Passi ermöglichen mit dem Film einen privaten Einblick in das Leben, Denken und Fühlen der vier Bandmitglieder Sami, Pertti, Kari und Toni. Wie werden Kinder gemacht? und Warum müssen wir in Wohnheimen leben? sind Fragen, die die Bandmitglieder beschäftigen. Es wird geliebt, verlobt, geweint, gelacht, geraucht und vor allem viel geflucht. Echte Finnen eben. Der Film ist eine Dokumentation über eine Band wie jede andere, nur dass die Mitglieder mit etwas anderen Bedingungen leben. Als Zuschauer erwischt man sich vielleicht dabei, mitleidig „Ooh“ oder „Jöö“ zu gewissen Aktionen der Bandmitglieder zu sagen, doch bei aller Sympathie gegenüber den vier Herren, bin ich der Meinung, dass man sie nicht von anderen unterscheiden sollte und genau dies zu erreichen, versucht der Film. In dieser Manier agiert auch Kalle, der Betreuer und Manager der Band. Er zeigt uns, dass hinter dem Bandprojekt harte Arbeit steckt und animiert die Herren immer wieder von neuem sich aufzuraffen oder zu konzentrieren. Und was dabei raus kommt, kann meines Erachtens qualitativ durchaus mit aktuellen Chartstürmern mithalten, sofern man Punkmusik mag. Deshalb scheint es auch nicht abwegig die Band Pertti Kurikan Nimipäivät als Finnlands Vertretung an die Eurovision Songcontests zu schicken. Der Wettbewerb selber, mag ein andermal diskutiert sein, doch dass die Band weiterhin grossen Erfolg haben wird, steht heute schon fest!

Der Siegersong:

„Ich hasse die Welt“